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Es werden Posts vom Oktober, 2025 angezeigt.

Betreff: Hirse

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Frauchen und ich, wir haben beide ein großes Interesse an Ernährung. Allerdings meinen wir das gleiche, nicht jedoch dasselbe. Frauchen, die übrigens selbst kaum etwas zu sich nimmt, hört Podcasts zum Thema, spricht mit Ärzten, liest Artikel und besucht Seminare. Was letzteres anbelangt, so spottet Herrchen gern: „In deinem Alter geht man nicht auf Seminare, da gibt man welche.“ Fies, oder?   Ich hingegen sehe Ernährung ganz amerikanisch: viel und groß muss sie sein. Herrchen, das ewige Mittelmaß, dürfte zumindest in diesem Punkt eher bei mir sein als bei Frauchen. Für ihn bedeutet Sattsein eindeutig mehr als Genuss, da hat er Frauchen echt nicht verdient.  Also ist ihm das Thema Ernährung einerseits wichtig, andererseits eben überhaupt nicht. Er steht auch nicht gleich mir wie angewurzelt, den Blick von Frauchen nicht lassend in der Küche, wenn sie so unvergleichlich am Herd hantiert. Ich glaube, an dieser Indifferenz liegt es auch, dass er Frauchens jüngsten Ernährungscoup k...

Betreff: Tändeln

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Neulich habe ich mit unserer neuen und reizenden jungen Postbotin getändelt. Sie stand so schön beim Nachbarn, und ich hatte freie Fahrt, Herrchen war kurz abgelenkt. Ich also zu ihr hin, will sie ein bisschen in den Arm nehmen, sie aber schreit. Mein missmutiges Herrchen sagt, ich hätte mich an der Postbotin vergriffen.   Freilich sagte er das erst Stunden später, erst einmal sprach er überhaupt nicht mehr mit mir. Ich wurde nur noch angeknurrt, als wäre Herrchen der Hund, und auch mein planmäßiges Leckerli blieb aus. Ich habe diese Krisenzeit mit einem Schläfchen überbrückt, denn es ist ja in solchen Situationen von Vorteil, für nichts selbst verantwortlich sein zu müssen. Wie Unmündigkeit doch das Leben erleichtert. Das sage ich mit einem schönen Gruß an Hedwig Richter, die in ihrem anregenden Demokratie-Buch anderes behauptet. Lehrstunde eins in unserer Hundegruppe: „Der Hund macht alles richtig, nur Ihr Herrchen und Frauchen habt etwas falschgemacht, wenn es schiefgeht.“ So ...

Betreff: Spa

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Neulich habe ich mir zwei meiner Pfoten verletzt, eine vorn, eine hinten, letztere besonders schlimm. Meine Hausärztin sagte einfühlsam: „Das muss ihm ordentlich wehgetan haben.“ Keine Ahnung, wobei das passiert ist. Ich konnte jedenfalls nicht mehr richtig auftreten, humpelte sehr, und die Aufregung im Rudel war angemessen groß.   Das gab mir aber auch Gelegenheit zu begreifen, was die Leute am Spa so Tolles finden und weshalb kein Hotel heutzutage mehr ohne Spa auskommt. Spa meint den Wellness- und Saunabereich, benannt nach dem belgischen Badeort Spa, in den ich freilich bei meinem reisefaulen Herrchen niemals kommen werde. Vermutlich fährt er mit mir nicht einmal bis nach Heiligendamm, dem ersten deutschen Seebad, das gar nicht so weit von uns entfernt liegt und wo schon das Kurhaus erfreulich verkündet: „Heic te laetitia invitat post balnea sanum“. Genau das sollte ich nämlich erleben, wenn auch nicht im hochpreisigen Heiligendamm, sondern schlicht zu Hause: Hierher lädt die...

Betrifft: Versunkensein

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Neulich beim Morgengang blieb ich stehen, ganz versunken in ein von der Sonne herrlich beschienenes Bild: eine nebelüberschwebte Wiese, Heuballen darin malerisch gelagert, dahinter in rötlichem Licht der Wald. Ich saß und sah, glücklich über die Landschaft, in der ich lebe. Da konnte Herrchen rufen, bis ihm die Luft ausgeht. Seine prosaische Natur vermutete nämlich, dass ich dieses zauberhafte Bild allein auf die Anwesenheit von Rehen hin scannen würde. Blödsinn!   Ich fand sein Benehmen gleich aus mehreren Gründen ungehörig. Zum einen betont er doch so gern, dass ich bei ihm als Herrchen meinen leicht aggressiven Tierheim-Stil abgelegt und Sinn für das Schöne auf dieser Welt entwickelt habe. Ich stehe gern am Feldrain und schaue. Ich könnte stundenlang bei einer meiner Tanten am Abhang liegen und auf den malerisch vor mir sich erstreckenden See blicken. Ich liebe es, in unserem Garten den Gruß der Morgensonne im luftigen Schatten des Quittenbaums entgegenzunehmen (siehe Foto). Ich...

Betreff: Von Mäusen

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Als wir, Herrchen und ich, neulich vom Vormittagsgassigang zurückkehrten, wunderte sich Frauchen, wie lange wir unterwegs gewesen seien. Und sie kritisierte Herrchen, er würde bei so langen Strecken mich bestimmt überfordern. Ich stützte diese These, so überraschend und falsch sie war, sogleich, indem ich mir den Spaß erlaubte, erschöpft zu blicken und ebenso erschöpft mitten in der Küche mich ruckartig hinzuwerfen, als würde ich zusammenbrechen.   In Wirklichkeit aber war es bei uns nur wie damals bei Odysseus. Zehn Jahre dauerte dessen Irrfahrt nach Ithaka, also nach Hause, so erzählt Homer. Die meiste Zeit davon aber lebte Odysseus, in jeder Hinsicht, wirklich in jeder, bestens versorgt, bei der Nymphe Kalypso, bevor dann wegen seines Heimwehs der ganze Ärger und die eigentlich Irrfahrt begann. So schlimm war es bei uns natürlich nicht. Wir sind nur deshalb so lange unterwegs gewesen, weil ich ein paar hundert Meter hinter unserem Haus auf einem abgeernteten Feld einer meiner ...