Posts

Betreff: Schublade

Bild
Dürfte ich den abendlichen Absacker selbst auswählen, ich würde mich für Ei oder Frikadelle entscheiden. Und das nicht allein aus qualitativen Gründen. Ei und Frikadelle werden mir nämlich einfach so gereicht, als Abendgruß nach einem gelungenen Tag. Ein Würstchen oder andere Leckerli sind hingegen immer gleich mit einer lästigen Aufgabe verbunden.   Unter diesen Aufgaben gibt es das „Pfötchen geben“ (Zirkusnummer), das Hütchenspiel (Förderung der Intelligenz), das Ausstreuen von Wurstteilen, die ich mir erst nach Aufforderung nehmen darf (Impulskontrolle) und das Suchspiel „Wo ist das rosa Wildschein?“ (Apportieren). Irgendwann hatte ich bei all diesen Spielen begriffen, dass ich die Leckerli sowieso bekomme, mich also nur etwas in Geduld fassen muss. Das freilich ist genau die unter Hundefreunden so bezeichnete Impulskontrolle, also das Wartenkönnen. Herrchen hat mir, so gesehen, tatsächlich ein bisschen Impulskontrolle beigebracht. Eins zu null für ihn. Wobei ich mir dabei auc...

Betreff: Hasennaht

Bild
Unbeeindruckt von den Verrücktheiten des amerikanischen Präsidenten, von denen er bei dieser Gelegenheit fast täglich erfährt, liest Herrchen jeden Morgen die Zeitung. Er frühstückt dabei und trinkt still seinen Tee. Er regt sich aber furchtbar über Kleinigkeiten auf, etwa wenn ich einen Futter-Dummy schreddere, so wie neulich.    Die amerikanische Demokratie gibt es seit dreihundert Jahren und gerät dennoch nach so langer Zeit in die Krise. Unsere Futter-Dummy-Übungen hingegen machen wir noch keine zwei Jahre, da kann ein geschredderter Dummy nicht als Krise gelten, sondern als natürlicher Verschleiß. Die Amerikaner haben ihren Präsidenten mit Machtvollkommenheit ausgestattet. Mein Dummy hingegen war leer, denn die eigentliche Übung für das Apportieren mit dem gefüllten Dummy hatten wir schon hinter uns. Ich hatte mir den leeren Dummy am Ende nur so geschnappt. Und dafür möchte ich zwei Gründe anführen, um Herrchens Kritik klar zurückzuweisen. Zum einen hatte ich Spaß daran...

Betreff: Krokodil

Bild
Neulich beim Hundetraining meinte eines der am Spielfeldrand zuschauenden Herrchen, mich als Krokodil wahrgenommen zu haben. Und das allein deshalb, weil ich mich wie gewohnt nachdrücklich eines Käsestücks versichert hatte, das Herrchen als Leckerli ohnehin für mich in seiner Hand bereithielt. Ja, soll ich denn ein Leckerli mit Kussmund nehmen?   Es war jedenfalls beim Hoopers. Wir machten das zum ersten Mal. Hoopers ist eine abzulehnende Übung, weil sie eher auf einen Kasernenhof gehört. Denn Herrchen steht da wie ein Unteroffizier, kommandiert herum, und ich muss umherlaufen wie ein Rekrut, bis mir die Zunge aus dem Hals hängt und noch länger. Und dann wird daran noch gelobt, dass ich beim Hoopers nicht springen muss, weshalb Hoopers als gelenkschonend gilt. Was für ein blödes Argument, denn mit meinen Gelenken ist alles in Ordnung und jeder kann ja mal zusehen, wie ich die hohen Erdhaufen an der Umgehungsstraßenbaustelle bei mir zu Hause geradezu fliegend überwinde, steckt in ...

Betreff: Regenüberlauf

Bild
Dachsgeruch hat für unsereinen etwas Prickelndes. Sich in Dachsgeruch zu wälzen, ist das größte. Wer das kann, hat nämlich den Dachs erledigt. Wo dem Dachs doch nachgesagt wird, kein Hund könne gegen ihn bestehen. Vor allem die Dackel, die ihm in den Bau folgen, bleiben ohne Chance: Er gräbt sie lebendig ein. Furchtbar.   Und dann gibt es auch noch den Honigdachs, der als das härteste Lebewesen der Welt überhaupt gilt und sogar den Biss der Schwarzen Mamba hinnimmt wie unsereins einen Zeckenbiss. Nun ja, der Honigdachs lebt zum Glück nicht bei uns. Auch die Schwarze Mamba nicht. Aber der normale Dachs lebt in einem Regenüberlaufbehälter auf der Wiese hinter dem Haus. Tausendmal sind wir schon über die Wiese gegangen, jenen Behälter aus Beton haben wir zwar gesehen, aber nie wahrgenommen. Nie gab es Auffälliges, und dann auf einmal: Stimmen. Ein Gequieke unterm Betondeckel. Ich roch den Dachs und war fortan von da nicht mehr wegzubekommen. Herrchen mit seiner zwar großen, aber sin...

Betreff: TAG

Bild
Herr Müller und Dotti sind zwei Plüschhunde, die gelegentlich von der Sofakante aus das Geschehen kommentieren.   Dotti: Herr Müller, ich finde, dass… Herr Müller: Leise, Dotti. TAG, gab wohl einige ZF. Dotti: Bitte? Herr Müller: Tagesauswertungsgespräch an der Box, Elvis schon eingerollt, sein Herrchen mit dem Kopf drin und dem Hinterteil draußen. Wie die Rieben im Kleiderschrank von Hohenzieritz. Dotti: Äh? Herr Müller: Ich sehe schon, du liest die Bücher von Herrchen nicht. Eine Klassikerszene, die Rieben halb im Schrank. Aber über so etwas kann man mit dir nicht reden, klar. Mit einem aus dem bildungsfernen Sperrmüll. Dotti: Immer kommst du mir mit dem Sperrmüll, fies von dir. Ja, ich stamme daher, Elvis stammt aus dem Tierheim, also ähnlich prekär, und ist ein kluges Kerlchen. Sage mir lieber, wieso die mit dem TAG heute so spät dran sind? Herr Müller: Sie haben pünktlich angefangen, aber nun geht es schon seit zehn Minuten. Wegen der ZF, der Zwischenfäll...

Betreff: Arthur

Bild
Neulich erfuhren wir, Herrchen und ich, den Namen des Hütehundes aus der Hühnerfarm, eines Pyrenäischen Berghundes. Bislang war der für uns immer nur der „Weiße Riese“, den wir oft besuchen und sehr mögen. Er heißt in Wirklichkeit Arthur. Ich bin gar nicht glücklich darüber, das jetzt zu wissen.   Denn was schwingt nicht alles mit bei dem Namen Arthur. Schon dass der Name irgendwie mit Bär zu tun hat, dem König der nordischen Tierwelt, zeigt die Größe eines Arthurs. Und dann: König Artus, der Sagenumwobene mit seiner Tafelrunde großer Ritter. Artus mit seinem Schwert Excalibur und seinem Hund Caball, der dabei ist, wenn der gewaltigen Eber Twrch gejagt wird. Gleich die halbe Kulturgeschichte schwingt mit in dem Namen Arthur. Oder Arthur aus Ecuador, auch so ein weißer großer Hund, ein Streuner, der sich vor vielen Jahren einer schwedischen Sportmannschaft – die Sportart war irgendwie hanebüchen, habe ich vergessen – anschloss und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit schlie...

Betreff: Rübe

Bild
Ich bin gern in Hohenzieritz. Vor allem natürlich im Park. Was bin ich da schon herumgesprungen. Einmal sogar am Parkausgang nach Prillwitz von einer Mauer aus beträchtlicher Höhe. Ich wollte einem Reh nachsetzen, kam dann aber gar nicht dazu, weil ich vor Lachen nicht abdampfen konnte. Ich sah nämlich, wie Herrchen, immerhin ein älterer Herr, sich mühte, über die die verschlossene Pforte und über die Mauer zu mir zu gelangen, aufgeregt rufend. Das war zu köstlich.   Eher peinlich hingegen war, als wir einmal auf der Schlosstreppe standen mit der Mitarbeiterin der Gedenkstätte dort (irgendeine Königin ist im Schloss Hohenzieritz vor ewiger Zeit gestorben). Während Herrchen mit ihr sprach, kraulte sie mir nebenbei das Kinn und fasste voll hinein in meinen gelegentlich auftretenden Aufregungs-Schnodder. Puh. Hätte ich gewusst, dass sich in Herrchen auf unseren Hohenzieritz-Gängen ein Roman vorbereitete um die tote Königin, hätte ich noch ein paar mehr Einlagen geboten, damit er nic...