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Betreff: Musenkuss

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Herr Müller und Dotti sind zwei Plüschhunde, die meinem Bett gegenüber auf der Sofakante hocken. Dotti wurde aus dem Sperrmüll geholt, so wie ich einst aus dem Tierheim. Herr Müller ist eine langweilige bürgerliche Existenz. Hin und wieder höre ich ihren Gesprächen zu.   Dotti: Elvis scheint mir ziemlich gestresst. Herr Müller: Gestresst? Wieso? Dotti: Er hat ja auch viel zu tun mit Herrchen und Frauchen, beide anstrengend. Und dann der Rest des Rudels. Da kann einem schon mal die Luft ausgehen. Herr Müller: Wieso? Dotti: Na, neulich in seinem Blog hatte er nur noch ein Gedicht als Eintrag. Herr Müller: Wieso nur? Dotti:  Na, bloß ein paar Zeilen, weiter nichts. Mehr war ihm offenbar nicht mehr eingefallen. Herr Müller: Aber, Dotti, ein Gedicht bedeutet Arbeit. Dotti: Meinst du? Wegen des Reims? Herr Müller: Wieso Reim? Ein Reim macht noch lange kein Gedicht. Es geht um poetische Wahrhaftigkeit, ein Gedicht muss poetisch wahrhaftig sein, das bedeutet...

Betreff: Lotte

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Neulich war Herrchen wieder einmal beim Frisör. Mich macht das eifersüchtig, denn in dem Salon ist Lotte. Lotte ist ein Pudel, etwa so groß wie ich. Er gehört der Inhaberin, trägt ein hübsches Zöpfchen steil über dem Kopf (vulgo Fick-Palme) und arbeitet als Salonhund.   Die Belastung dabei dürfte nicht allzu groß sein, es gibt viele Streicheleien von den Kunden, allerdings auch den langen Arbeitstag. Lotte sieht den Salon als ihren eigenen an, sie nimmt zum Beispiel alle Sitzgelegenheiten im Wartebereich für sich in Anspruch. Wenn Herrchen frisiert zurückkommt, riecht er eben nicht nur nach Haarspray, sondern auch unverzeihlich nach Lotte. Und war es sogar die Begegnung mit Salon-Lotte, dass er sich zu Hause Thomas Manns „Lotte in Weimar“ wieder vornahm? Den Roman, sagte er mir, habe er bestimmt so oft gelesen, wie er mit mir bei meiner Hausärztin gewesen sei. Seltsamer Vergleich, weder heißt meine Hausärztin Lotte noch ist sie eine ältere Dame mit heißer Vergangenheit. Denn da...

Betreff: Vollpfosten

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Alles fing damit an, dass Herrchen eine Fahrt ins Blaue unternahm. Ohne mich. Natürlich fuhr er nicht wirklich ins Blaue, würde er nie tun. Er wusste genau, was er bei wem wollte und wozu. Aber er war in Sachsen-Anhalt unterwegs, und da ist doch die AfD so stark, stärker als bei uns in Mecklenburg. Seit der AfD hat die „Fahrt ins Blaue“ wegen der Parteifarbe etwas Doppeldeutiges bekommen.   Als Herrchen losfuhr, war ich schon mal verärgert. Kurz darauf habe ich es dann in meinem Ärger im Fischergang so richtig krachen lassen, als Frauchen und ich auf einen mir unbekannten Hund trafen. Ich zog böse an der Leine, die Leine zog böse an Frauchens Finger, und zwar so lange, bis ein Stück Haut böse weg war. Hat geblutet wie Sau. Frauchen sogleich zum Arzt, wo ihr ein turbanartiger Verband um ihren Finger zuteil wurde, recht hübsch. Da ich zu ihrer Ärztin nicht mitdurfte, hatte sie mich derweil bei meiner Garten-Tante in der Nachbarschaft untergebracht. Ich war inzwischen derart auf Adr...

Betreff: Gelbspötter

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Seit einiger Zeit hat Herrchen eine App auf seinem Smartphone, die Vogelstimmen erkennt. So erfuhren wir, dass uns neulich ein Gelbspötter begegnet ist. Zumindest hörten wir ihn. Gelbspötter – ein hübscher sprechender Name, denn der Vogel ist gelb, und sein Ruf klingt tatsächlich spöttisch.   Bei Namen in der Vogelwelt hat man das Sprechende ja häufig. Zum Beispiel beim Gartenrotschwanz. Er hat einen roten Schwanz und lebt in unserem Garten, wo er mit seinem eintönigen Ruf mich enerviert. Dieses langweilige Ton-Geben kommt im Namen natürlich nicht vor. Der Kuckuck ruft „kuckuck“, der Uhu ruft „uhu“. Einen Sumpfrohrsänger haben wir auch schon gehört. Der lebt in sumpfiger Umgebung, sitzt gern am Rohr und singt ganz schön. Den am meisten sprechenden Namen für Hunde kennt wohl jeder: Fellnasen. Aber Fellnasen ist total abgegriffen und dann auch noch falsch, denn an meiner eigentlichen Nase, meinem hübschen Stubser ganz vorn, findet sich kein Fell. Als ich so weit in meinen vom Gelbs...

Betreff: Gedanken jagen

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Neulich hatten wir ein paar Hitztetage, da lag ich praktisch die ganze Zeit über herum und musste mich irgendwie geistig beschäftigen. Aus dieser Not heraus entstanden die folgenden Verse.   ABENDLIED   Am Tage Hasen jagen Am Abend die Gedanken Auf meinem Sofa liegend So in Gedankenranken   Gleich hab ich dich, Kaprize Gleich fass ich dich, Idee Es zittern meine Glieder Als liefe nah ein Reh   Schon fletsche ich die Zähne Schon greif ich kläffend zu Da schließen sich die Lider Ich will nur meine Ruh   Denn müde macht das Denken Was liege ich bequem Für heute lassen wir das Jagen Da flieht ihr hin, Ideen    Auch auf Instagram: elvis.blog  

Betreff: Thesen zur Hitze

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Die Hitze erbringt den Nachweis, dass das Herumliegen praktisch den ganzen Tag, allenfalls mit Wechsel zwischen Sonnenplatz und Schattenplatz, Inhalt des Lebens sein kann, darf, ja muss.   Die Hitze macht die Gießkannen-Bar auf der Terrasse zu einem Lebensmittelpunkt. Herrchen kümmert sich rührend um frisches Brunnenquell. Und rührend finde ich auch, dass er über die Gießkannen-Bar auch die Vogeltränke versorgt. Eigentlich ist die Vogeltränke eher eine Insekten-Tränke. Wenn mal ein Vogel kommt, trinkt er zwar auch, vor allem aber badet er mit lustigem Gespritze. Die Vogeltränke ist ein Geschenk von Frauchen für Herrchen, nachdem Herrchen ihr ein neues Bad geschenkt hatte. Die Hitze hat zu Umgestaltungen im Garten geführt. Ich habe mir – von Frauchen unbemerkt, von Herrchen toleriert – hinter der Blumenwiese ein schattiges Kühl-Loch gegraben (Foto). Es taugt auch sonst als Versteck, wenn ich mal Ruhe haben will. Die Hitze führt bei Herrchen zu der absurden Logik, dass wer sich w...

Betreff: Wattebausch

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Zweimal im Jahr beim Fellwechsel bilden sich auf meinem Hinterteil und am Ansatz der Rute kleine weiße Fellflöckchen, kleine Wattebausche, sehr apart, die Herrchen dann abnimmt und dem Wind überlässt. Vermutlich lässt er sie auf diese Weise verschwinden, weil die hübschen Wölkchen nicht nur apart aussehen, sondern auch einen Mangel an coiffeurier Betreuung bezeugen würden.   Dabei sind Wattebausche etwas Nützliches. Mit ätherischen Ölen getränkt sollen sie die Mücken abhalten. Das sollte meine Tante mit dem Seegrundstück wissen, wo ich neulich derart von Mücken bedrängt worden bin, dass anderntags mein Schnäuzchen aussah wie ein Streuselkuchen und juckte wie Läusebefall. Ansonsten gelten Wattebausche im übertragenen Sinn ja als Weicheier. Wobei ich gerade bei Herrchen gelernt habe, dass auch solcher Wattebausch sehr wohl gleichsam mit ätherischen Ölen getränkt sein kann. Oder anders gesagt: Wer so tut, als sei er Wattebausch, verfolgt oft genug seine machtpolitischen Interessen a...