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Betreff: Keine Ahnung

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Mit Atilla aus der Nachbarschaft ist es wie mit dem berühmten Atilla und seinen Hunnen: Auf einmal steht er da, gekommen aus dem Nichts. Neulich erst beim Morgengang. Zum Glück leiten meinen Freund Atilla keine kriegerischen Absichten, im Gegenteil. Wir freuten uns, einander mal wieder zu sehen, und plauderten noch etwas, und zwar, um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen, „auf Augenhöhe“.   Es gibt wenige Hunde, mit denen ich „auf Augenhöhe“ bin. Mit Clio natürlich, einem Vizsla, oder dem Pyrenäischen Berghund bei der Hühnerfarm. Aber was soll ich etwa mit einem Chihuahua, bei dem der Name länger ist als der ganze Hund. Auch mit Dackeln kann ich nichts anfangen und mache bei entsprechenden Begegnungen Radau, ausgenommen bei der zurückhaltenden Susi, die ich aber auch nur selten sehe. Ein Hund ist also keineswegs ein Hund. „Ein Hund“ ist viel zu abstrakt für die Alltagswirklichkeit. Herrchen machte mich darauf aufmerksam, dass auch in Robert Musils endlosem Roman „Der Mann ohne E...

Betreff: Stellen

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Von Arnold Schwarzenegger soll der Satz stammen, den ich hier etwas frei wiedergebe: Ich habe Muskeln an Stellen, da hat dein Herrchen nicht mal Stellen. Nun lässt sich spekulieren, was genau Schwarzenegger mit Stellen gemeint hat, aber Herrchens leptosome Kraftlosigkeit ist so oder so unübersehbar. Er hat auch noch nie einen Film mit Schwarzenegger gesehen, vermutlich aus Neid.    Ich für meinen Teil habe sehr wohl Muskeln und Stellen. Vor allem meine Hinterläufe würde Schwarzenegger staunend betasten und mich, drehte er noch Terminator-Filme, sofort engagieren.  Davon jetzt einmal abgesehen, erheitert mich oft der Gedanke, dass ich Schwarzeneggers Satz hübsch umformulieren könnte: Ich habe Stellen gesehen, da würde Herrchen nicht einmal vermuten, dass es Stellen gibt. So wie neulich, wo ich Gelegenheit nahm, mich am Hopfensee umzuschauen. Wer kennt den Hopfensee? Er liegt in meinem Heimatort, eigentlich mitten in der Ortslage, aber schwer, ja eigentlich unmöglich zu err...

Betreff: Gepelltes Ei

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Herrchen und ich, wir sind uns zumindest in einem Punkt einig: Wir gründen unser Leben gern auf Gewohnheiten. Alles ist möglichst wie immer, jede Stunde, jeder Tag, jede Woche. Positiv lässt sich das als verlässlich bezeichnen, negativ als langweilig.    Frauchen sieht unser Bestreben, von Gewohntem nicht abweichen zu wollen, prompt als langweilig an. Allerdings muss auch sie bemerken, wenn sie mal länger bei uns ist als nur am Wochenende, dass unsere Gewohnheiten nicht etwa Ausflüsse aus Herrchens langweiligem Wesen sind, sondern sich aus den Umständen und unseren Bedürfnissen gleichsam von selbst ergeben. Frauchen hat doch im Grunde auch gar nichts dagegen, wenn ich sie morgens mit überraschendem Küsschen wecke, nur weil Herrchen mich schickt wegen fertigen Frühstücks und so. Obgleich sie natürlich gern länger schliefe. Selbstverständlich lassen sich Gewohnheiten aktiv ändern. Ich gebe zwei feinsinnige Beispiele. Wenn am Sonntagmorgen am Frühstückstisch von Frauchen und He...

Betreff: Sammeln

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Wenn Frauchen und Herrchen sich zu ihrer Mittagsmahlzeit an den Tisch setzen, kann ich darauf warten, dass Herrchens perfide Frage kommt: „Müssen wir wieder sammeln?“   Früher gab es diese Frage nicht. Da hat Herrchen seinen Teller so regelmäßig wie gewissenlos leergeputzt. Bis er eines Tages bemerkte, dass Frauchen dann und wann Reste ihres Essens, vorwiegend Fleisch- oder Fischstückchen, auf dem Tellerrand platzierte oder für diesen Zweck sogar ein eigenes Tellerchen auf den Tisch gestellt hatte. Herrchen war natürlich gleich klar, dass diese Reste für mich gedacht waren. Er zog zwar Frauchen deswegen auf, nahm es aber doch andererseits als Anregung und legte fortan ebenfalls Stücke beiseite. Ja, es entstand geradezu ein kleiner Wettbewerb zwischen Herrchen und Frauchen, wer mehr für mich bereitstellen würde. Ich sah es mit Wohlgefallen. Ich bekam Appetit, wenn ich den beiden beim Essen – oder vielmehr Sammeln – zuschaute. Aber in Herrchens Frage schwingt eben auch einiges Unap...

Betreff: Fernweh

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Ich habe mir erlaubt, meiner Lebenssituation ein kleines Gedicht zu widmen. Nennen wir es „Fernweh“ oder meinetwegen auch „Herrchens Reiseunlust“. Oder vielleicht sogar  „Schweres Schicksal“ . Oder wem das zu großspurig daherkommt, kann auch titeln  „Meine Hundefreunde unterwegs“.   Hier ist es: Fritze in Kroatien Ella in der Schweiz Bärchen in den Alpen Ich kenn nicht mal Greiz   Lucy in den Bergen Bonni jagt am Meer Bärchen fährt nach Bremen Ich kenn nicht mal Leer   Barnie an der Nordsee War auch schon im Zoo Ella kennt Italien Ich war nirgends wo

Betreff: Highway Star

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Neulich war ich zu Besuch bei meinem alten Kumpel Clio. Wir sind herrlich durch die Gegend gejagt wie lange nicht mehr. Aus Wiedersehensfreude, einerseits. Aber auch, weil sein Grundstück so beneidenswert weitläufig ist. Und dann hat Clio ein Frauchen, das Geschwindigkeiten liebt. Sie ist eine tolle Autofahrerin und war sogar schon mal auf dem Nürburgring unterwegs, ein rechter Highway Star sozusagen.   So kam es zu einer albernen Szene auf unserer Rückfahrt. Wir schlichen mit kaum dreißig Stundenkilometer auf schmaler und dunkler Straße mitten durch dichten Wald dahin, während Herrchen auf dem Beifahrersitz „Highway Star“ von „Deep Purple“ summte. Eine Live-Fassung von „Highway Star“ besitzt er auf dem Doppelalbum „Live in Japan“, einer Ikone der Rockgeschichte. Die Platte hätte er in seiner DDR-Jugend gern gehabt, aber da war so etwas unerreichbar. Jahrzehnte später kaufte er „Made in Japan“ – auf einem Flohmarkt. Übrigens nicht so sehr wegen „Highway Star“, sondern vor allem w...

Betreff: Schoßhund

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Die Plüschhunde Herr Müller und Dotti – Leser dieses Blogs kennen die beiden bereits – sitzen auf der Sofakante, meinem Schlafplatz genau gegenüber. Es sind zwei rechte Schoßhündchen. Oft muss ich mir ihr lächerliches Geschwafel anhören, aber manchmal finde ich es auch interessant.   Herr Müller: Wusste gar nicht, Dotti, dass du so links bist. Nun, von einem, der aus dem Sperrmüll kommt, darf man vielleicht auch nichts anderes erwarten. Dotti: Mal abgesehen von der Unverschämtheit mit dem Sperrmüll: Wieso links? Herr Müller: Na, diese Elogen auf Elvis‘ Frauchen: Immer sicherheitshalber den Hund an der Leine, immer ein Wurststückchen für kleine Spiele unterwegs dabei. Und wie sie sich in der Küche um ihn kümmert und um seine Körperhygiene, und wie sie ihn abends beschmust. Also echt, mir kommen die Tränen. Dotti: Was, bitteschön, ist daran links? Herr Müller: Es fehlt, was Elvis will, es fehlt die Freiheit. Dotti: Aber, Müller, wir wollen doch alle nur beschmust werd...