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Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Eine meiner Tanten, die aus meiner Straße, sagt, sie wisse jetzt, weshalb die Glocke auf Englisch Bell heiße. Wenn Herrchen und ich durch die Straße zu ihr kämen, bell ten alle anderen Hunde derart, dass sie keine Klingel benötige. Obwohl sie eine am Haus hat.   Dienstag Mit Herrchen unterwegs, er auf dem Fahrrad, einem „Bio-Bike“, wie man heute sagt. Herrchen meint zu mir, sein Fahrrad habe 21 Gänge. In seinem früheren Leben wäre das ein Luxusartikel gewesen, die Räder seiner Kindheit und Jugend hatten nur einen Gang. Heute aber sei er mit seinem Fahrrad ganz aus der Mode, heute fahre man „E-Bike“. Führe er mit einem E-Bike, würde ich allerdings nicht mitkommen. Das weiß er, und deshalb hat er keines. Mittwoch Apropos E-Bike: Neulich sah Frauchen eine Bekannte vor sich auf dem Fahrrad und wollte sie einholen. Obwohl sie kräftig in die Pedale trat, erreichte sie die Bekannte nicht, bis sie begriff: Die fuhr auf einem E-Bike. Kenne ich: Es ist der Hase, den man einfac...

Betreff: Peetsch

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Nach Peetsch, in unser Nachbardorf, kommen wir oft, Herrchen und ich. Seine Motivation ist der offene Bücherschrank dort. Von meiner Motivation erzähle ich hier etwas poetisch:   PEETSCH   Nach Peetsch, ins Nachbardorf Führt einer unsrer Wege Die Kilometer braucht es schon Damit ich mich viel rege   Es ist mein Ziel Bis in das Dorf zu laufen Dort hock ich mich Und mache meinen Haufen

Betreff: Avatar

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Neulich stand ein Stück Kuchen – es war gedeckter Apfelkuchen – auf dem kleinen Tisch auf der Terrasse. Und dann war es auf einmal nicht mehr da, der Teller leer. Ich geriet sogleich in Verdacht. Dabei war ich unschuldig.   Frauchen kam dazu, als Herrchen mich grundlos ausschalt, und fragte, weshalb hinten die Gartenpforte offenstehe. Wir alle hin. Weil da zufällig geharkt war, konnten wir deutlich die Fußspuren sehen, genauer die Pfotenspuren. Und ein paar Kuchenkrümel klebten noch an den Gräsern ringsum. Wer mag der Dieb gewesen sein? Lemmy wahrscheinlich, ein Labrador, die gelten als – beschönigend gesagt – futteraffin. Auf dem Weg zu Lemmy traf ich auf Clio, der kauend angehetzt kam und dem es sichtlich unangenehm war, mir zu begegnen. Sollte etwa Clio…? Ich stellte ihn zur Rede, er sah mich an, hängende Zunge, schwere Lidern, und nuschelte mit vollem Maul: Du weißt doch, dass ich mit Kuchen noch nie etwas anfangen konnte, nicht mal beim Training, wenn es nichts anderes gab. ...

Betreff: Herrenchiemsee

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Neulich war eine meiner Tanten im Urlaub. Aus Bayern bekamen wir ein Foto gesendet, dass mich zeigt, wie ich einen Hirsch erlege oder, um es in der Sprache der Weidmänner zu sagen, entnehme. Und zwar in Herrenchiemsee.    Nun bin ich allerdings noch nie in Herrenchiemsee gewesen. Hund und Hirsch sind auch aus Stein. Die Ähnlichkeit des Hundes mit mir ist allerdings frappierend. „Elvis in Höchstform“ war das Foto unterschrieben. Danke nochmal dafür. Mich erinnerte es daran, dass vor einigen Wochen ein Hirsch unseren Weg hinten auf der Wiese kreuzte. Er tat es ganz majestätisch, wir standen und staunten, ich etwas unruhiger als Herrchen, aber an der Leine. Lange nachdem der Hirsch weg war, ließ mich Herrchen los – und ich trotz des Vorsprungs mit herrenchiemseemäßigem Karacho los, um den Hirsch vielleicht doch noch zu entnehmen. Leider vergeblich. Dafür hätte ich neulich beinahe und aus Versehen Herrchen erlegt – als er mir ein Leckerli reichte und ich dabei etwas zu umfasse...

Betreff: Altern

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Neulich begegneten wir am alten Müllberg, wo die Wege rund und schlecht einsehbar sind, plötzlich einem Frauchen mit Hund an der Leine, beide uns unbekannt. Ich kam dann auch schnell an die Leine. In solchen Situationen aber – Leine gegen Leine – mache ich bei Begegnungen mit fremden Hunden traditionell Rabatz.   Als ich damit fertig war, stellte sich heraus, dass das Frauchen Hundetrainerin ist und ihr Hund der Vorzeigehund. Und tatsächlich bequemte er sich, als wir endlich unsere Leinen los waren, erst dann zu einem Wettlauf mit mir (den er nicht gewinnen konnte), als sein Frauchen ihm das erlaubte. Ich dagegen nehme mir in solchen Situationen selbst die Freiheit zu rennen, wann und wo ich will, klar. Die Hundetrainerin erzählte, dass Rabatz bei Hundebegegnungen das Hauptthema sei von Leuten, die sich bei ihr zur Trainingsstunde anmeldeten. Erst fand ich das kurios, weil ich doch gerade selbst eine solche Nummer abgezogen hatte. Aber dann fiel mir ein, dass Herrchen womöglich a...

Betreff: Nudeln

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Wenn wir meine Rudelaufstellung etwas sehr großzügig auslegen, bin ich der Onkel eines Geschwisterpaares. Freilich sind es keine Hunde, und das ist auch gut so. Und da sind wir auch schon bei der Nudel.   Mein kleiner Neffe mag zwar Nudeln, am liebsten nur mit Käse bestreut, aber er ist kein großer Esser, wie man so sagt. Durch ihn bin ich eigentlich überhaupt erst zur Nudel gekommen. Früher ließ er mal etwas fallen, heute lässt er den halbvollen Teller einfach auf dem Tisch stehen. So wie neulich: Große Rudelverabschiedung vorn am Auto, ich stillschweigend zurück in die Küche und den Teller schrankfertig geputzt. Meine Nichte ist jünger und lässt sich auf ein besonderes Spiel ein. Sie hält eine Nudel in ihrer kleinen Faust und schwenkt sie, und wir beide, sie und ich, lauern darauf, wohin ihr Fäustchen sich wendet – zu ihrem Mund (oder ihrer Nase oder ihrem Auge, motorisch geht das noch nicht so perfekt) oder in meine Richtung, wo sie entweder die Faust öffnet – zack, da schafft...

Betreff: Elvis

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Neulich waren wir auf Usedom, genauer in Bansin. Auf der Promenade gingen mir all die vielen Herrchen und Frauchen und die vielen Hunde auf die Nerven. Hin und wieder machte ich deswegen meinem Unmut Luft, und ich überhörte auch Herrchens dauerndes „bei Fuß“, was kurzzeitig zu einer Belastung unseres Verhältnisses führte.   Am Strand wurde es noch blöder. Da traf ich auf ein Stück vom Wal, der vor einiger Zeit in der Ostsee verendet war. Ich gleich in Kampfstellung mit Ansage. Wann hat man schon Gelegenheit, sich mit dem Teil eines Wals zu messen. Erwies sich dann aber als ein stark bemooster Stein im Wasser. Seine Lebendigkeit kam nur daher, dass die Moosfäden im Wasser hin und her schwammen. Weshalb wir überhaupt in Bansin waren? Weil sich Herrchen mit Elke Pupke traf. Elke Pupke lebt dort, schreibt Usedomer Kriminalromane für den Hinstorff-Verlag, jenen Verlag, der ab und an auch Bücher von Herrchen veröffentlicht. Frau Pupke ist die Auflagenkönigin des Verlages. Jedes Jahr z...