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Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Wir sind bei uns mal wieder im großen Rudel. Der jüngsten Zugang, vier Monate alt, wird hereingetragen, ich nehme sogleich eine Schnupperprobe. Wohlgeruch. Hoffentlich hat die Kleine es umgekehrt genauso empfunden, wo ich doch manchmal angeblich aus dem Maul rieche.    Dienstag Herrchen trägt die Kleine immerzu mit sich herum. Ich bin zwar wieder in alle Pflichten eines Familienhundes eingesetzt, kann eine Regung von Eifersucht aber nicht unterdrücken. Ich kneife seine freie Hand, er versteht es richtig und kümmert sich um mich. Klar, ich hätte  natürlich  auch richtig zubeißen können. Mittwoch Wir sind in unserer früheren Kreisstadt, in einem der eher unwirtlichen Viertel. Herrchen und ich tun, was wir, glaube ich, am häufigsten tun: Wir warten auf Frauchen, die in einem der Gebäude verschwunden ist. Ich bemerke, wie die Leute, die an uns vorübergehen, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert bekommen, wenn sie meiner Schönheit und Grazie gewahr werden. Mein...

Betreff: Käuzchenkuhle

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In dem uralten Kinderbuch „Käuzchenkuhle“ von Horst Beseler stirbt ein kleiner Hund. Dem Unglücksfall folgt ein Wortwechsel jener, die zusehen mussten, wie der Hund unter ein Auto kam. Einer sagt: „Ein Hund kann ein besserer Kamerad sein als alle anderen.“ Ein anderer daraufhin: „Ein Hund ist ein Hund.“   Ich weiß nicht, weshalb Herrchen an dieser nebensächlichen Romanszene hängengeblieben ist wie die Märchenfiguren an der goldenen Gans. Vielleicht liegt es daran, dass er beim Thema Hunde zum Renegaten wurde. Und Renegaten sind die allerschlimmsten, weil sie auf einmal fanatisch verteidigen, was sie früher verteufelten. Oder um den berühmtesten Vers zu diesem Thema („Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“) etwas bösartig zu variieren: Der dickste Freund der Köter war einst Hunde-Töter. Nun ja, ein Töter war Herrchen nicht, das sage ich nur wegen des Reims. Aber Herrchen war Hunde-Kritiker, seit er von einem Hund anlasslos in den Hintern gebissen worden war....

Betreff: Very british

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Herrchen und ich, wir haben viel übrig für das, was gemeinhin als „very british“ gilt, wozu bekanntlich auch eine besondere Neigung zum Leben auf dem Land und zu Hunden zählt. Allerdings handle ich wirklich britisch, während Herrchen nur im „British Shop“ einen Strickjacke kauft und damit glaubt, britisch zu wirken.   Wenn sich fremde Hunde an mich heranmachen, dann lasse ich die abtropfen wie der britische Premier Starmer die Tiraden von Donald Trump abtropfen lässt. Wenn die Postbotin kommt empfange ich sie mit allem Pomp, zu dem ich fähig bin, so wie das englische Königshaus Trump mit allem Pomp der Tradition empfangen hat. Und wie Trump sich sichtlich geschmeichelt fühlte vom Glanz der britischen Monarchie, während man in der Königsfamilie keine Miene verzog, so ist auch die Postbotin von mir beeindruckt, ohne dass sie ahnt, dass ich insgeheim über ihre Aufregung lächle. Das britische Königshaus und ich beherrschen nämlich die Kunst, bei gleichgültigem Gesichtsausdruck mit dem ...

Betrifft: Kuschlerin

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Neulich hörte ich von einem Polizeihund, der bei seiner Abschlussprüfung den „Täter“ nicht anging, sondern sich vor ihn hinwarf, um gekuschelt zu werden. Witzig fand ich das, muss aber sagen, so etwas könnte mir nicht passieren. Auch wenn ich natürlich weder Polizeihund bin noch beabsichtige, einer zu werden. Ich verabscheue überhaupt alles Zweckmäßige, Aufgabengebundene. Ich bin am liebsten ich selbst.   Und was das Kuscheln anbelangt, so ist immer die entscheidende Frage für mich, wer das Kuscheln ausübt. Bei Gott, nicht jeder darf. Bei den meisten Leuten mit Kuschelabsichten mache ich lieber einen großen Bogen, vielleicht tun sie ja nur so. Und ich will keinen Konflikt sozusagen auf offener Straße. Andererseits möchte ich hier auch nicht missverstanden werden: Wer einen Konflikt mit mir will, der kann ihn haben. Zu Konflikten kann es allerdings auch kommen, wenn mir eine Nase nicht passt. Meine Bekannte Rapunzelchen ist eine große Kuschlerin. Wer bei ihr Fellpflege zu betreibe...

Betreff: Schublade

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Dürfte ich den abendlichen Absacker selbst auswählen, ich würde mich für Ei oder Frikadelle entscheiden. Und das nicht allein aus qualitativen Gründen. Ei und Frikadelle werden mir nämlich einfach so gereicht, als Abendgruß nach einem gelungenen Tag. Ein Würstchen oder andere Leckerli sind hingegen immer gleich mit einer lästigen Aufgabe verbunden.   Unter diesen Aufgaben gibt es das „Pfötchen geben“ (Zirkusnummer), das Hütchenspiel (Förderung der Intelligenz), das Ausstreuen von Wurstteilen, die ich mir erst nach Aufforderung nehmen darf (Impulskontrolle) und das Suchspiel „Wo ist das rosa Wildschein?“ (Apportieren). Irgendwann hatte ich bei all diesen Spielen begriffen, dass ich die Leckerli sowieso bekomme, mich also nur etwas in Geduld fassen muss. Das freilich ist genau die unter Hundefreunden so bezeichnete Impulskontrolle, also das Wartenkönnen. Herrchen hat mir, so gesehen, tatsächlich ein bisschen Impulskontrolle beigebracht. Eins zu null für ihn. Wobei ich mir dabei auc...

Betreff: Hasennaht

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Unbeeindruckt von den Verrücktheiten des amerikanischen Präsidenten, von denen er bei dieser Gelegenheit fast täglich erfährt, liest Herrchen jeden Morgen die Zeitung. Er frühstückt dabei und trinkt still seinen Tee. Er regt sich aber furchtbar über Kleinigkeiten auf, etwa wenn ich einen Futter-Dummy schreddere, so wie neulich.    Die amerikanische Demokratie gibt es seit dreihundert Jahren und gerät dennoch nach so langer Zeit in die Krise. Unsere Futter-Dummy-Übungen hingegen machen wir noch keine zwei Jahre, da kann ein geschredderter Dummy nicht als Krise gelten, sondern als natürlicher Verschleiß. Die Amerikaner haben ihren Präsidenten mit Machtvollkommenheit ausgestattet. Mein Dummy hingegen war leer, denn die eigentliche Übung für das Apportieren mit dem gefüllten Dummy hatten wir schon hinter uns. Ich hatte mir den leeren Dummy am Ende nur so geschnappt. Und dafür möchte ich zwei Gründe anführen, um Herrchens Kritik klar zurückzuweisen. Zum einen hatte ich Spaß daran...

Betreff: Krokodil

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Neulich beim Hundetraining meinte eines der am Spielfeldrand zuschauenden Herrchen, mich als Krokodil wahrgenommen zu haben. Und das allein deshalb, weil ich mich wie gewohnt nachdrücklich eines Käsestücks versichert hatte, das Herrchen als Leckerli ohnehin für mich in seiner Hand bereithielt. Ja, soll ich denn ein Leckerli mit Kussmund nehmen?   Es war jedenfalls beim Hoopers. Wir machten das zum ersten Mal. Hoopers ist eine abzulehnende Übung, weil sie eher auf einen Kasernenhof gehört. Denn Herrchen steht da wie ein Unteroffizier, kommandiert herum, und ich muss umherlaufen wie ein Rekrut, bis mir die Zunge aus dem Hals hängt und noch länger. Und dann wird daran noch gelobt, dass ich beim Hoopers nicht springen muss, weshalb Hoopers als gelenkschonend gilt. Was für ein blödes Argument, denn mit meinen Gelenken ist alles in Ordnung und jeder kann ja mal zusehen, wie ich die hohen Erdhaufen an der Umgehungsstraßenbaustelle bei mir zu Hause geradezu fliegend überwinde, steckt in ...