Posts

Betreff: Triggerwarnung

Bild
Ich kann die Wähler der AfD verstehen. Auch mich machen die Verhältnisse, in denen ich leben muss, missmutig. Auch ich habe es mit einer Flachzange zu tun, meinem Herrchen. Und das sage ich nicht nur, weil Herrchen Alice Weidel schon journalistisch begleitete, als die noch weit entfernt vom AfD-Parteivorsitz war.   Führung? Bei Herrchen das Undemokratischste, was es gibt. Seine Gassivorschläge – man kann nur den Kopf schütteln. Seine Spiele – albernes Zeug. Seine Futtergaben – ein praktisch leerer Napf. Training in der Gruppe – ja, gern, aber doch nicht so demütigend wie gegenwärtig. Oder nehmen wir nur die unhaltbaren Zustände beim Einkaufen. Ich muss mit, darf aber nicht in den Supermarkt hinein. Früher gab es als Kompensation für meinen Autoverbleib wenigstens ein Würstchen frisch von der Fleischtheke. War nicht so doll, aber besser als gar nichts. Heutzutage gibt es überhaupt nichts mehr. Oder Lachsöl. Wann habe ich zuletzt Lachsöl bekommen? Hanföl, ja, damit stellen sie ...

Betreff: Lübeck

Bild
Neulich waren wir rudelmäßig in Lübeck. Herrchen bog allerdings gleich am Museum St. Annen ab, um sich dort in mittelalterliche Altäre zu vertiefen, wobei er, wenn ich es richtig verstanden habe, einen speziellen im Auge hatte. Frauchen und ich mussten derweil durch die Stadt schlendern.    Was ist Lübeck heruntergekommen! Bestenfalls geruchsmäßig hat die Stadt noch was zu bieten. Ich fragte mich, wieso Herrchen damals nach der Grenzöffnung unbedingt nach Lübeck musste und am liebsten vor Freude geheult hätte, als er endlich am Holstentor stand. Nun, das liegt Jahrzehnte zurück und kann heute bestenfalls als Sentimentalität durchgehen. Beim Stadtrundgang fragte ich mich, weshalb Urlaub und Reisen derart oft als Synonyme verwendet werden. Was hatte ich denn von unserer Urlaubsreise? Mir waren die Gewohnheiten abhandengekommen. Ich schlief schlecht. Das Essen entsprach nicht dem häuslichen Standard. An Spiele war gar nicht zu denken. Leinenzwang überall. Dauernd ging es an den...

Betreff: Maisfeld

Bild
Sind meine kleinen Gedichte beliebt? Bei den folgenden Versen finde ich den Hoppler in der letzten Zeile recht artig. Manchmal springe ich ja auch so umher.   AM MORGEN   Heute Jagd durchs Maisfeld Herrchen bleibt am Rand Herrlich klingt das Rascheln So außer Rand und Band   Herrchen starrt auf’s Handy Wo ich gerade sei Höre ihn auch rufen Sieht blöde aus dabei   Doch dann kommt der Hunger Wie finde ich zurück Wie komme ich zu Herrchen Zu meinem Früh-, Frühstück?   Mehr zu Herrchen auf www.frankpergande.de. Bin auch auf Instagram: elvis.blog 

Betreff: Schnüffeln

Bild
Neulich kam mir kurz vor unserer Wiese ein Eichhörnchen in die Quere. Ich hinterher, die Bäume anspringend, wo es saß, so dass das Holz splitterte, meinen Jagdruf weithin erschallen lassend, der Zapfen nicht achtend, die es nach mir warf.    Schließlich machte ich mich daran, weiträumig die Umgebung abzuschnüffeln, ob ich nicht den Wege des Eichhörnchens wenigstens am Boden erkunden könnte, um es dort zu überraschen. Nun, ich hatte zwar keinen Erfolg. Aber seitdem muss ich immer wieder zu dieser Stelle hin, getrieben von der Erinnerung, hier herumgesprungen zu sein, und in der Hoffnung, vielleicht wieder einmal derart herumspringen zu können. Erst im Nachhinein fiel mir auf, mit welcher Gelassenheit Herrchen mein Gebaren hinnahm und hinnimmt. Er sieht sich kurz die Szene an, schreitet dann weiter und setzt mich dadurch letztlich unter Druck, ihm nach einer gewissen Anstandsfrist zu folgen. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Herrchen solche Erlebnisse zu toler...

Betreff: Aus dem Tagebuch

Bild
Montag Was ist schon an so einer Woche? Montag – Mülltonne rausstellen, Dienstag – Mülltonne reinholen, Mittwoch – Hundegruppe, Donnerstag – leere Eierpackung rausstellen, volle empfangen, Freitag – mein Blog, Samstag – Einkauf, Sonntag – Hundegruppe. Ich habe da wenig Spielraum für Kreativität.   Dienstag Wir haben Besuch. Besuch aus dem Westen, wie Herrchen, der alte Ossi, nicht zu sagen vergisst. Ich verstehe mich mit dem Besuch dennoch super. Sogar der uralte, schon völlig zerfaserte Zerrknoten wird mal wieder hervorgeholt. Herrchen kriegt ja immer gleich Atemnot, wenn er zerren soll. Der Wessi ist da fitter. Mittwoch Es liegt mir fern, Klatsch und Tratsch zu befeuern, aber die neue Freundin von einem unserer Nachbarn hat einen Hund mitgebracht, einen Spaniel – und der hat gleich meine Zuneigung gefunden. Wir pieseln und schnuppern immer eine Weile, leider den Zaun zwischen uns. Herrchen ist schon an der Biogasanlage, bevor ich mich in meiner emotionalen Abgelenktheit b...

Betreff: Sackgasse

Bild
Was sind Sackgassen doch übel beleumdet. Sie stehen für Irrtümer, Scheitern, Ausweglosigkeit. Ich ahnte gar nicht, dass es bei einem derartig schlechten Ruf Sackgassen tatsächlich gibt. Und nun wohne ich auch noch in einer solchen. Denn ich lernte Sackgassen erst kennen, als ich bei Herrchen in seine Sackgasse einzog.   Zuerst bemerkte ich das gar nicht. Gassi-Gänge immer nur in eine Richtung und Rückkehr aus dieser Richtung, ich nahm es hin. Hinzu kam von Anfang an, dass unsere Sackgasse für mich keineswegs Ausweglosigkeit darstellt. Ich begriff sogleich, wie die Gartenpforte hinten zu öffnen ist oder die Pforte zum Garten der Nachbarin. Außerdem kenne ich Stellen, wo ich jederzeit unser umzäuntes Grundstück ohne Herrchens Wissen und Erlaubnis verlassen kann. Ich möchte das hier nicht näher ausführen, um Herrchen nicht auf den Gedanken zu bringen, diese Schlupflöcher zu schließen. Hinter unserem Haus ist jedenfalls keine Sackgasse, natürlich nicht, da erstreckt sich eine große W...

Betreff: Musenkuss

Bild
Herr Müller und Dotti sind zwei Plüschhunde, die meinem Bett gegenüber auf der Sofakante hocken. Dotti wurde aus dem Sperrmüll geholt, so wie ich einst aus dem Tierheim. Herr Müller ist eine langweilige bürgerliche Existenz. Hin und wieder höre ich ihren Gesprächen zu.   Dotti: Elvis scheint mir ziemlich gestresst. Herr Müller: Gestresst? Wieso? Dotti: Er hat ja auch viel zu tun mit Herrchen und Frauchen, beide anstrengend. Und dann der Rest des Rudels. Da kann einem schon mal die Luft ausgehen. Herr Müller: Wieso? Dotti: Na, neulich in seinem Blog hatte er nur noch ein Gedicht als Eintrag. Herr Müller: Wieso nur? Dotti:  Na, bloß ein paar Zeilen, weiter nichts. Mehr war ihm offenbar nicht mehr eingefallen. Herr Müller: Aber, Dotti, ein Gedicht bedeutet Arbeit. Dotti: Meinst du? Wegen des Reims? Herr Müller: Wieso Reim? Ein Reim macht noch lange kein Gedicht. Es geht um poetische Wahrhaftigkeit, ein Gedicht muss poetisch wahrhaftig sein, das bedeutet...