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Betreff: Thesen zur Hitze

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Die Hitze erbringt den Nachweis, dass das Herumliegen praktisch den ganzen Tag, allenfalls mit Wechsel zwischen Sonnenplatz und Schattenplatz, Inhalt des Lebens sein kann, darf, ja muss.   Die Hitze macht die Gießkannen-Bar auf der Terrasse zu einem Lebensmittelpunkt. Herrchen kümmert sich rührend um frisches Brunnenquell. Und rührend finde ich auch, dass er über die Gießkannen-Bar auch die Vogeltränke versorgt. Eigentlich ist die Vogeltränke eher eine Insekten-Tränke. Wenn mal ein Vogel kommt, trinkt er zwar auch, vor allem aber badet er mit lustigem Gespritze. Die Vogeltränke ist ein Geschenk von Frauchen für Herrchen, nachdem Herrchen ihr ein neues Bad geschenkt hatte. Die Hitze hat zu Umgestaltungen im Garten geführt. Ich habe mir – von Frauchen unbemerkt, von Herrchen toleriert – hinter der Blumenwiese ein schattiges Kühl-Loch gegraben (Foto). Es taugt auch sonst als Versteck, wenn ich mal Ruhe haben will. Die Hitze führt bei Herrchen zu der absurden Logik, dass wer sich w...

Betreff: Wattebausch

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Zweimal im Jahr beim Fellwechsel bilden sich auf meinem Hinterteil und am Ansatz der Rute kleine weiße Fellflöckchen, kleine Wattebausche, sehr apart, die Herrchen dann abnimmt und dem Wind überlässt. Vermutlich lässt er sie auf diese Weise verschwinden, weil die hübschen Wölkchen nicht nur apart aussehen, sondern auch einen Mangel an coiffeurier Betreuung bezeugen würden.   Dabei sind Wattebausche etwas Nützliches. Mit ätherischen Ölen getränkt sollen sie die Mücken abhalten. Das sollte meine Tante mit dem Seegrundstück wissen, wo ich neulich derart von Mücken bedrängt worden bin, dass anderntags mein Schnäuzchen aussah wie ein Streuselkuchen und juckte wie Läusebefall. Ansonsten gelten Wattebausche im übertragenen Sinn ja als Weicheier. Wobei ich gerade bei Herrchen gelernt habe, dass auch solcher Wattebausch sehr wohl gleichsam mit ätherischen Ölen getränkt sein kann. Oder anders gesagt: Wer so tut, als sei er Wattebausch, verfolgt oft genug seine machtpolitischen Interessen a...

Betreff: Struppi

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Neulich sagte Herrchen zu mir: „Na, Struppi, du siehst ja aus!“ Das war nach einem Jagderlebnis durch hohes und nasses Gras auf einer weitläufigen Wiese, die auch noch von plötzlich auftauchenden Wassergräben durchsetzt war. Ich kam da pitschnass raus.   Herrchen meinte „Struppi“ wohl lautmalerisch, weil nasses Fell nun einmal struppig aussieht, so schön es im trockenen Zustand auch glänzen mag. Zu Hause habe ich mich dann auch erst einmal von der Sonne trocknen lassen und dabei darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn ich wirklich Struppi genannt werden würde. Solche Verniedlichungen stehen mir nicht, finde ich. Elvis halte ich schon für grenzwertig. Herrchens ursprüngliche Idee, mich Wallenstein zu nennen, erfasst meine Persönlichkeit besser, da liegt er gar nicht so falsch. Verblüffend, dass ausgerechnet der lächerliche Name Struppi in der Populärkultur derart Karriere gemacht hat, sogar garniert mit einem hübschen Ost-West-Missverständnis. Ost-Struppi ist eine der Figure...

Betreff: Einhorn

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Neulich sagte die junge Mutter in unserem Rudel, sie habe einen Einhorn-Moment erlebt. Sie meinte damit den Umstand, dass ihr Jüngstes unter einem lustigen Spielebogen schlief und der etwas Ältere daneben selbstvergessen vor sich hin baute mit seinen – wie man früher gesagt hätte – Bauklötzchen, heute Duplos. Die Mutter konnte sich einfach zurücklehnen und das Muttersein genießen.    Herrchen hatte an diesem Einhorn-Moment einen gewissen Anteil, hatte er doch die Kleine zuvor unter den Spielebogen gelegt und mit allerhand Geraschel, Geklingel und Geträtsche zum Einschlummern gebracht. Da bewährt sich der Langweiler, wenn er andere zum Gähnen und Schlafen bringt. Das soll übrigens auch für seine Romane gelten, man sollte sie in Apotheken verbreiten. Hätte auch einen Vorteil für ihn: Apotheken gibt es mehr als Bücherläden. Aber ich will nicht abschweifen. Ich will nur darauf aufmerksam machen: Was sind fünf Minuten vergebliche Jagd auf ein Reh gegen lebenslange Jagd auf Einhör...

Betreff: Schnapsidee

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Neulich musste ich doch tatsächlich sonntags zum Notarzt. Dünnpfiff, sehr übel. Der Warteraum überfüllt. Beim Warten fiel mir der alte FDP-Kalauer ein: Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt. Bei uns hieß das umgewandelt: Wenn jeder für sich leidet, fällt das kollektive Leiden aus.    Also kein Bellen, Beißen, Rumknurren, Belästigen und so weiter. Es war angenehm still beim Warten zwischen all den Herrchen, Frauchen, Hunden und Katzen, und es hatte auch niemand etwas dagegen, als ich mich mitten im Weg erschöpft ablegte. Ich will nun nicht behaupten, dass Herrchen ohne Empathie, wie man heute so sagt, dasaß, er blickte durchaus besorgt. Vor allem wohl aus Angst, ich könnte mich auch noch in der Praxis hinten entleeren. Aber es gab nichts mehr zu entleeren. So interessierte sich Herrchen für das Gebäude, das ursprünglich zu einem Gefängnis gehörte. Die Gefängnis-Hausordnung war noch ausgehängt – als Deko. Herrchen erzählte mir, in diesem Gefängnis habe einst kurzze...

Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Wir sind bei uns mal wieder im großen Rudel. Der jüngste Zugang, vier Monate alt, wird hereingetragen, ich nehme sogleich eine Schnupperprobe. Wohlgeruch. Hoffentlich hat die Kleine es umgekehrt genauso empfunden, wo ich doch manchmal angeblich aus dem Maul rieche.    Dienstag Herrchen trägt die Kleine immerzu mit sich herum. Ich bin zwar wieder in alle Pflichten eines Familienhundes eingesetzt, kann eine Regung von Eifersucht aber nicht unterdrücken. Ich kneife seine freie Hand, er versteht es richtig und kümmert sich um mich. Klar, ich hätte  natürlich  auch richtig zubeißen können. Mittwoch Wir sind in unserer früheren Kreisstadt, in einem der eher unwirtlichen Viertel. Herrchen und ich tun, was wir, glaube ich, am häufigsten tun: Wir warten auf Frauchen, die in einem der Gebäude verschwunden ist. Ich bemerke, wie die Leute, die an uns vorübergehen, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert bekommen, wenn sie meiner Schönheit und Grazie gewahr werden. Mein ...

Betreff: Käuzchenkuhle

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In dem uralten Kinderbuch „Käuzchenkuhle“ von Horst Beseler stirbt ein kleiner Hund. Dem Unglücksfall folgt ein Wortwechsel jener, die zusehen mussten, wie der Hund unter ein Auto kam. Einer sagt: „Ein Hund kann ein besserer Kamerad sein als alle anderen.“ Ein anderer daraufhin: „Ein Hund ist ein Hund.“   Ich weiß nicht, weshalb Herrchen an dieser nebensächlichen Romanszene hängengeblieben ist wie die Märchenfiguren an der goldenen Gans. Vielleicht liegt es daran, dass er beim Thema Hunde zum Renegaten wurde. Und Renegaten sind die allerschlimmsten, weil sie auf einmal fanatisch verteidigen, was sie früher verteufelten. Oder um den berühmtesten Vers zu diesem Thema („Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“) etwas bösartig zu variieren: Der dickste Freund der Köter war einst Hunde-Töter. Nun ja, ein Töter war Herrchen nicht, das sage ich nur wegen des Reims. Aber Herrchen war Hunde-Kritiker, seit er von einem Hund anlasslos in den Hintern gebissen worden war....