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Betreff: Gepelltes Ei

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Herrchen und ich, wir sind uns zumindest in einem Punkt einig: Wir gründen unser Leben gern auf Gewohnheiten. Alles ist möglichst wie immer, jede Stunde, jeder Tag, jede Woche. Positiv lässt sich das als verlässlich bezeichnen, negativ als langweilig.    Frauchen sieht unser Bestreben, von Gewohntem nicht abweichen zu wollen, prompt als langweilig an. Allerdings muss auch sie bemerken, wenn sie mal länger bei uns ist als nur am Wochenende, dass unsere Gewohnheiten nicht etwa Ausflüsse aus Herrchens langweiligem Wesen sind, sondern sich aus den Umständen und unseren Bedürfnissen gleichsam von selbst ergeben. Frauchen hat doch im Grunde auch gar nichts dagegen, wenn ich sie morgens mit überraschendem Küsschen wecke, nur weil Herrchen mich schickt wegen fertigen Frühstücks und so. Obgleich sie natürlich gern länger schliefe. Selbstverständlich lassen sich Gewohnheiten aktiv ändern. Ich gebe zwei feinsinnige Beispiele. Wenn am Sonntagmorgen am Frühstückstisch von Frauchen und He...

Betreff: Sammeln

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Wenn Frauchen und Herrchen sich zu ihrer Mittagsmahlzeit an den Tisch setzen, kann ich darauf warten, dass Herrchens perfide Frage kommt: „Müssen wir wieder sammeln?“   Früher gab es diese Frage nicht. Da hat Herrchen seinen Teller so regelmäßig wie gewissenlos leergeputzt. Bis er eines Tages bemerkte, dass Frauchen dann und wann Reste ihres Essens, vorwiegend Fleisch- oder Fischstückchen, auf dem Tellerrand platzierte oder für diesen Zweck sogar ein eigenes Tellerchen auf den Tisch gestellt hatte. Herrchen war natürlich gleich klar, dass diese Reste für mich gedacht waren. Er zog zwar Frauchen deswegen auf, nahm es aber doch andererseits als Anregung und legte fortan ebenfalls Stücke beiseite. Ja, es entstand geradezu ein kleiner Wettbewerb zwischen Herrchen und Frauchen, wer mehr für mich bereitstellen würde. Ich sah es mit Wohlgefallen. Ich bekam Appetit, wenn ich den beiden beim Essen – oder vielmehr Sammeln – zuschaute. Aber in Herrchens Frage schwingt eben auch einiges Unap...

Betreff: Fernweh

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Ich habe mir erlaubt, meiner Lebenssituation ein kleines Gedicht zu widmen. Nennen wir es „Fernweh“ oder meinetwegen auch „Herrchens Reiseunlust“. Oder vielleicht sogar  „Schweres Schicksal“ . Oder wem das zu großspurig daherkommt, kann auch titeln  „Meine Hundefreunde unterwegs“.   Hier ist es: Fritze in Kroatien Ella in der Schweiz Bärchen in den Alpen Ich kenn nicht mal Greiz   Lucy in den Bergen Bonni jagt am Meer Bärchen fährt nach Bremen Ich kenn nicht mal Leer   Barnie an der Nordsee War auch schon im Zoo Ella kennt Italien Ich war nirgends wo

Betreff: Highway Star

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Neulich war ich zu Besuch bei meinem alten Kumpel Clio. Wir sind herrlich durch die Gegend gejagt wie lange nicht mehr. Aus Wiedersehensfreude, einerseits. Aber auch, weil sein Grundstück so beneidenswert weitläufig ist. Und dann hat Clio ein Frauchen, das Geschwindigkeiten liebt. Sie ist eine tolle Autofahrerin und war sogar schon mal auf dem Nürburgring unterwegs, ein rechter Highway Star sozusagen.   So kam es zu einer albernen Szene auf unserer Rückfahrt. Wir schlichen mit kaum dreißig Stundenkilometer auf schmaler und dunkler Straße mitten durch dichten Wald dahin, während Herrchen auf dem Beifahrersitz „Highway Star“ von „Deep Purple“ summte. Eine Live-Fassung von „Highway Star“ besitzt er auf dem Doppelalbum „Live in Japan“, einer Ikone der Rockgeschichte. Die Platte hätte er in seiner DDR-Jugend gern gehabt, aber da war so etwas unerreichbar. Jahrzehnte später kaufte er „Made in Japan“ – auf einem Flohmarkt. Übrigens nicht so sehr wegen „Highway Star“, sondern vor allem w...

Betreff: Schoßhund

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Die Plüschhunde Herr Müller und Dotti – Leser dieses Blogs kennen die beiden bereits – sitzen auf der Sofakante, meinem Schlafplatz genau gegenüber. Es sind zwei rechte Schoßhündchen. Oft muss ich mir ihr lächerliches Geschwafel anhören, aber manchmal finde ich es auch interessant.   Herr Müller: Wusste gar nicht, Dotti, dass du so links bist. Nun, von einem, der aus dem Sperrmüll kommt, darf man vielleicht auch nichts anderes erwarten. Dotti: Mal abgesehen von der Unverschämtheit mit dem Sperrmüll: Wieso links? Herr Müller: Na, diese Elogen auf Elvis‘ Frauchen: Immer sicherheitshalber den Hund an der Leine, immer ein Wurststückchen für kleine Spiele unterwegs dabei. Und wie sie sich in der Küche um ihn kümmert und um seine Körperhygiene, und wie sie ihn abends beschmust. Also echt, mir kommen die Tränen. Dotti: Was, bitteschön, ist daran links? Herr Müller: Es fehlt, was Elvis will, es fehlt die Freiheit. Dotti: Aber, Müller, wir wollen doch alle nur beschmust werd...

Betreff: Niendorfer Notizen

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Wir sind wieder einmal in Niendorf an der Lübecker Bucht, dasselbe Quartier wie im Frühjahr. Ich kenne mich also aus und nutze das Durcheinander bei unserer Ankunft, es mir auf dem Sofa bequem zu machen. Ich rechne natürlich damit, von dort wieder vertrieben zu werden. Aber nein, mein erschöpftes Herrchen setzt sich zu mir und betreibt Fellpflege. Ein magischer Moment. Wir spüren beide, dass wir alt geworden sind und uns nach Ruhe und Stille sehnen. Herrchen außerdem nach Lesen, er hat Heinz Strunks „Ein Sommer in Niendorf “ dabei. Aber dann ruft der Jüngste aus unserem Rudel, keine zwei Jahre alt, wir also los. Ihm sind wir gern willfährig.   Bei Strunk steht, was uns in Niendorf erwartet: „Roth setzt sich auf einen der überall herumstehenden uniformen Plastikstühle und beobachtet die Leute: in der Mehrheit Alte, Uralte, Superalte. Ein paar Familien und Paare im Erwerbsalter. Feierwütige Partypeople Fehlanzeige, für die ist es hier entschieden zu öde und außerdem zu teuer.“ Unser ...

Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Herrchen liest mal wieder Fontanes „Vor dem Sturm“, wo der Hofhund auf Hohen-Vietz Hector heißt nach dem trojanischen Helden, der von Achill erschlagen wird. „Das beste Tier und der schlechteste Hund“, sagt Hectors Herrchen. Letzteres bezieht sich darauf, dass Hector zur Jagd nicht taugt und ihn nicht einmal Einbrechern stören. In „Effi Briest“ heißt der Haushund Rollo und ging in die Literaturgeschichte ein wegen des melancholischen Bildes: Rollo trauernd auf dem Grab von Effi. Abgesehen davon ist es mit Rollo wie mit mir – nichtssagender Name, großer Charakter.   Dienstag Mal was Heiteres: Herrchen sagt nach seinem traditionellen Spätabwasch neuerdings zu mir: „Ist Küchenschluss.“ Das ist das Signal, mich von meinem Küchenkissen auf mein Kissen am Kamin zu verfügen. Mittwoch Die Fensterputzer kommen. Drei junge Männer, alle Hundefreunde. In den Wonneschauern der Fellpflege habe ich die Vision: Herrchen putzt die Fenster, die drei Fensterputzer kümmern sich um mich...