Betreff: Schnapsidee
Neulich musste ich doch tatsächlich sonntags zum Notarzt. Dünnpfiff, sehr übel. Der Warteraum überfüllt. Beim Warten fiel mir der alte FDP-Kalauer ein: Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt. Bei uns hieß das umgewandelt: Wenn jeder für sich leidet, fällt das kollektive Leiden aus. Also kein Bellen, Beißen, Rumknurren, Belästigen und so weiter. Es war angenehm still beim Warten zwischen all den Herrchen, Frauchen, Hunden und Katzen, und es hatte auch niemand etwas dagegen, als ich mich mitten im Weg erschöpft ablegte. Ich will nun nicht behaupten, dass Herrchen ohne Empathie, wie man heute so sagt, dasaß, er blickte durchaus besorgt. Vor allem wohl aus Angst, ich könnte mich auch noch in der Praxis hinten entleeren. Aber es gab nichts mehr zu entleeren. So interessierte sich Herrchen für das Gebäude, das ursprünglich zu einem Gefängnis gehörte. Die Gefängnis-Hausordnung war noch ausgehängt – als Deko. Herrchen erzählte mir, in diesem Gefängnis habe einst kurzze...