Betreff: Aus dem Tagebuch
Montag
Herrchen führt uns beim Gassigang zum offenen Bücherschrank im Nachbardorf. Der aber ist nicht offen, sondern wegen schlechten Wetters zu. Auf dem Rückweg finden wir merkwürdigerweise einen Schraubenschlüssel. Herrchen nimmt ihn mit, obwohl er mit solchen Dingen nicht umzugehen versteht. So etwas ist bei uns eher Frauchens Sache. Immerhin weiß er, dass es sich um einen Schraubenschlüssel handelt.
Dienstag
Letztlich fällt es auf Herrchen zurück, wenn ich ihm abhaue, erst recht mitten im Wald. Er erzählt es Frauchen zu Hause vorsichtshalber gar nicht und macht später sogar noch ein lustiges Suchspiel mit mir, als fände mein Abhauen seine Anerkennung. Wäre Frauchen nicht dagewesen, er hätte das Suchspiel gelassen, ja, er hätte ein paar Stunden lang nicht mit mir geredet.
Mittwoch
Zwei Eigelbe werden für einen Kuchen benötigt. Da haben sie die Stirn, mir am Abend nur die beiden Rest-Eiweiße gebraten anzubieten. Ich protestiere, indem ich eine Zehntelsekunde vor dem Napf zögere.
Donnerstag
Gleich drei Füchse auf der Wiese, auf die ich Anspruch erhebe. Den einen verjage ich, die beiden anderen gehen von selbst. Habe anschließend noch längere Zeit mit Markierungsarbeiten zu tun.
Freitag
Ein großer Teil des großen Rudels gesellt sich zu uns. Damit bin ich wieder einmal in die Verpflichtungen eines Familienhundes eingesetzt. Im Gegenzug gibt es Fellpflege von allen Seiten. Und einer von den Jüngsten lässt als kleines Dankeschön an mich ein halbes gekochtes Ei fallen.
Samstag
Ich kann denn doch nicht meine Eifersucht unterdrücken, als Herrchen immerzu mit der Jüngsten, dem Baby, herumturtelt. Aber als wir wieder allein sind, versöhnen wir uns. Sein Versöhnungsgeschenk sind übriggebliebene Spaghetti, herrlich mit Butter und Käse angereichert.
Sonntag
Bärchens Frauchen ist vom Sternbild Schütze. Als Schütze ging sie neulich zum Fasching. Das Symbol vom Schütze sieht aus wie ein Kentaur, also Pferd und Mensch, mit Pfeil und Bogen. Sie ging natürlich als Kentaurin, sozusagen als Hylonome, der einzigen überlieferten Kentaurin. Herrchen zeigte mir jedenfalls beeindruckt Fotos von Bärchens Frauchen in dem Kostüm mit selbstkonstruiertem Pferdeleib, einschließlich zwei beweglichen Hinterbeinen. Ich aber fragte mich, was daran besonders sein soll, auf allen Vieren zu laufen. Ich mache das jeden Tag.
Am Dienstag, 10. März 2026, liest Herrchen in Mirow (Mecklenburg-Strelitz) aus seinem neuen Roman über die Königin Luise. Um 18 Uhr geht es los im Unteren Schloss. Generös überlasse ich ihm die Bühne allein.

Na Elvis, die Menschen sind manchmal neidisch auf euch Vierbeiner und dass ihr damit sogar versetzt laufen könnt, ohne zu stolpern. Es bot sich an, das selbst einmal zu probieren. Mit dem Resultat einer verschwundenen Kniescheibe, mehrfach gebrochenem Knöchel und letztlich einem Hinkebein, das noch durch die halbe Stadt gezogen wurde. Zum Glück nur an den hinteren Zusatzläufen und generell zur Belustigung der noch wachen jüngeren Generationen 😅
AntwortenLöschen