Betreff: Schoßhund
Die Plüschhunde Herr Müller und Dotti – Leser dieses Blogs kennen die beiden bereits – sitzen auf der Sofakante, meinem Schlafplatz genau gegenüber. Es sind zwei rechte Schoßhündchen. Oft muss ich mir ihr lächerliches Geschwafel anhören, aber manchmal finde ich es auch interessant.
Herr Müller: Wusste gar nicht, Dotti, dass du so links bist. Nun, von einem, der aus dem Sperrmüll kommt, darf man vielleicht auch nichts anderes erwarten.
Dotti: Mal abgesehen von der Unverschämtheit mit dem Sperrmüll: Wieso links?
Herr Müller: Na, diese Elogen auf Elvis‘ Frauchen: Immer sicherheitshalber den Hund an der Leine, immer ein Wurststückchen für kleine Spiele unterwegs dabei. Und wie sie sich in der Küche um ihn kümmert und um seine Körperhygiene, und wie sie ihn abends beschmust. Also echt, mir kommen die Tränen.
Dotti: Was, bitteschön, ist daran links?
Herr Müller: Es fehlt, was Elvis will, es fehlt die Freiheit.
Dotti: Aber, Müller, wir wollen doch alle nur beschmust werden.
Herr Müller: Für dich immer noch Herr Müller. Wir sollten aber wissen, dass das Beschmustwerden nicht vom Himmel fällt. Ich halte es mehr mit Herrchen: Leine nur im Notfall, im Notfall auch mal ein hartes Wort, sonst laissez-fair. Elvis ohne Leine – das wäre vor der Zeit bei Herrchen undenkbar gewesen und war ein harter Weg.
Dotti: So etwas nennst du Freiheit? Was nützt solche Freiheit, wenn Elvis bei Herrchen deutlich häufiger abhaut als bei Frauchen.
Herr Müller: Ein statistisches Phänomen. Frauchen geht ja auch nicht so oft mit ihm wie Herrchen.
Dotti: Dafür steht sie häufiger in der Küche als Herrchen.
Herr Müller: Sag das bloß nicht so laut. Aber unter uns, es stimmt natürlich.
Dotti: Siehst du, damit habe ich dich in der argumentativen Falle.
Herr Müller: Bitte? Inwiefern?
Dotti: Es ist nicht die Frage von rechts oder links, sondern von Frau und Mann.
Herr Müller: Sprich klarer, Dotti. Was meinst du?
Dotti: Hunde sind in den meisten Rudel Frauchensache, so wie die Kinder ja auch. (Flüsternd) Und der Haushalt.
Herr Müller: Du willst mir doch nicht erzählen, dass ein Jäger seinen Jagdhund der Ehefrau überlässt. Oder ein Hirte seine Herdenhunde fraulicher Betreuung.
Dotti: Nein, natürlich nicht. Aber ein Familienhund wie Elvis? In der modernen Gesellschaft sind doch alle diese Familienhunde Schoßhünd…
An dieser Stelle überkam mich das unsympathische Gefühl, von zwei Schoßhunden unter ihresgleichen subsumiert zu werden. Das hat mich veranlasst, das Gespräch abzubrechen.

👍👍👍Elvis, lass dir nichts gefallen, das Gespräch war nicht auf Augenhöhe...😉😊
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