Betreff: Stellen
Von Arnold Schwarzenegger soll der Satz stammen, den ich hier etwas frei wiedergebe: Ich habe Muskeln an Stellen, da hat dein Herrchen nicht mal Stellen. Nun lässt sich spekulieren, was genau Schwarzenegger mit Stellen gemeint hat, aber Herrchens leptosome Kraftlosigkeit ist so oder so unübersehbar. Er hat auch noch nie einen Film mit Schwarzenegger gesehen, vermutlich aus Neid.
Ich für meinen Teil habe sehr wohl Muskeln und Stellen. Vor allem meine Hinterläufe würde Schwarzenegger staunend betasten und mich, drehte er noch Terminator-Filme, sofort engagieren.
Davon jetzt einmal abgesehen, erheitert mich oft der Gedanke, dass ich Schwarzeneggers Satz hübsch umformulieren könnte: Ich habe Stellen gesehen, da würde Herrchen nicht einmal vermuten, dass es Stellen gibt. So wie neulich, wo ich Gelegenheit nahm, mich am Hopfensee umzuschauen. Wer kennt den Hopfensee? Er liegt in meinem Heimatort, eigentlich mitten in der Ortslage, aber schwer, ja eigentlich unmöglich zu erreichen, schilfumstanden, ufer- und wegelos.
Oder neulich vom Weinberg runter und zum Ilsenberg rüber. Dazwischen der Erlenholzwald, der an den Kanal grenzt. Überhaupt das für Herrchen nicht betretbare Kanalufer, ich kenne es bestens. Herrchen ist zwar schon mit dem Boot auf dem Kanal unterwegs gewesen, aber der eigentliche Erlebnisraum bleibt doch das schlammige Ufer, das er nie kennenlernen wird.
Ich jedoch bin an diesen Stellen überall gewesen und lerne immer wieder neue solche Stellen kennen. Und wenn ich aus dem Erlenwald mit seinem ganzen Zauber wieder hervortrete, sehe ich mindestens so finster geschminkt aus wie Schwarzenegger als Terminator.
Nun, ich gebe zu, für das Kino wäre das nichts, aber, by the way, Digitalisierung kommt hier voll zum Einsatz. Herrchen steht irgendwo auf dem festen Untergrund eines Weges und sieht auf seinem Smartphone, wie ich gerade am Hopfensee herumstromere. Er weiß genau, wo ich bin, und könnte mich doch niemals von dort abholen. Er kann nur rufen.
Zuerst war ich noch erstaunt, dass Herrchen immerhin in der Nähe vom Hopfensee stand, obwohl ich ihn doch schon weit hinten beim Weinberg verlassen hatte. Inzwischen aber habe ich mich daran gewöhnt, dass er auftaucht, wo auch ich wieder auftauche, soweit da von Auftauchen die Rede sein kann. Ich bin sogar dankbar dafür, dass Herrchen dasteht, so schäumend verärgert er auch sein mag. Denn bis zum Weinberg zurückzulaufen, um ihn dort abzuholen, wäre mir dann doch zu weit.
Richtig fesch finde ich, dass Herrchen mir mittels seines Smartphones auch immer sagen kann, wie viele Kilometer ich gemacht habe. Ich glaube sogar, er könnte theoretisch meinen Kalorienverbrauch ablesen. Hat er freilich noch nie gemacht, klar, denn sonst müssten meine Napfportionen ähnlich groß sein wie die Teller in den Fastfood-Restaurants, die Schwarzenegger inzwischen besitzt.

"Hopfensee" nicht, allerdings "Biertümpel" als geläufigen Nachnamen an hiesigen Stellen
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