Betreff: Rübe

Ich bin gern in Hohenzieritz. Vor allem natürlich im Park. Was bin ich da schon herumgesprungen. Einmal sogar am Parkausgang nach Prillwitz von einer Mauer aus beträchtlicher Höhe. Ich wollte einem Reh nachsetzen, kam dann aber gar nicht dazu, weil ich vor Lachen nicht abdampfen konnte. Ich sah nämlich, wie Herrchen, immerhin ein älterer Herr, sich mühte, über die die verschlossene Pforte und über die Mauer zu mir zu gelangen, aufgeregt rufend. Das war zu köstlich.

 

Eher peinlich hingegen war, als wir einmal auf der Schlosstreppe standen mit der Mitarbeiterin der Gedenkstätte dort (irgendeine Königin ist im Schloss Hohenzieritz vor ewiger Zeit gestorben). Während Herrchen mit ihr sprach, kraulte sie mir nebenbei das Kinn und fasste voll hinein in meinen gelegentlich auftretenden Aufregungs-Schnodder. Puh.

Hätte ich gewusst, dass sich in Herrchen auf unseren Hohenzieritz-Gängen ein Roman vorbereitete um die tote Königin, hätte ich noch ein paar mehr Einlagen geboten, damit er nicht gedankenverloren herumrennt, sondern sich auf mich konzentriert. Überhaupt diese ganze Romanschreiberei – alles verlorene Zeit, weil er sie nicht mit mir verbringt, finde ich.

Ich konnte das Erscheinen des Romans freilich nicht verhindern. Und dann musste ich es auch noch hinnehmen, dass Herrchen Buchpremiere feierte, während ich einsam und verlassen und ohne Nahrung in der dunklen Wohnungen zurückbleiben musste. Weil er weiß, dass ich gegen solche Behandlung immer ein Zeichen setze, hatte er mir in Griffnähe eine Eierpackung hingestellt, wohlweislich leer. Die schnappte ich mir dann auch, merkte aber sofort den Betrug und unterließ es, die Packung sachgerecht zu zerlegen. Ich zog mich auf mein Sofa zurück und träumte von den schönen Stunden in Hohenzieritz, rüde unterbrochen von Herrchen Rückkunft.

Was das Buch selbst anbelangt, so lohnen die achtzehn Euro wegen der vorletzten Seite. Da nämlich bin ich zu sehen. Ich im Vordergrund, Herrchen dahinter und dahinter wiederum das Schloss Hohenzieritz. Es sieht wirklich so aus, als gehörte ich zum Schloss. Hohenzieritz passt zu mir, finde ich. Überhaupt Schlösser. Dass ich in einem simplen Einfamilienhaus leben muss, erinnert an das moderne Bildungssystem, bei dem besondere Begabungen sozialdemokratisch nicht gefördert werden, weil es die Dummen triggern könnte.

Im Roman kommt ein Hund vor, Rübe heißt er. Ich kann mich in ihm zwar wiederfinden (Rübe beißt einen Adligen, ich Postbotinnen), aber doch nicht so richtig. Das eben ist die Verlogenheit an der Romanschreiberei: Aus mehreren Hundeschicksalen macht Herrchen eines und belästigt seine Leser dann auch noch damit, Rübe durch den Biss eines Wolfes im Rosenholz sterben zu lassen. Eines Wolfes! Im Rosenholz! Da lachen ja die Hühner.

Und dann gibt es in dem Roman auch noch ein erotisches Erlebnis im Park. Also wie Herrchen darauf gekommen sein mag. Unser seltsamstes Parkerlebnis war, dass da mal Alpakas weideten, und diese komischen Tiere sind doch nun wirklich das Gegenteil von erotisch, oder?

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