Betrifft: Kuschlerin
Neulich hörte ich von einem Polizeihund, der bei seiner Abschlussprüfung den „Täter“ nicht anging, sondern sich vor ihn hinwarf, um gekuschelt zu werden. Witzig fand ich das, muss aber sagen, so etwas könnte mir nicht passieren. Auch wenn ich natürlich weder Polizeihund bin noch beabsichtige, einer zu werden. Ich verabscheue überhaupt alles Zweckmäßige, Aufgabengebundene. Ich bin am liebsten ich selbst.
Und was das Kuscheln anbelangt, so ist immer die entscheidende Frage für mich, wer das Kuscheln ausübt. Bei Gott, nicht jeder darf. Bei den meisten Leuten mit Kuschelabsichten mache ich lieber einen großen Bogen, vielleicht tun sie ja nur so. Und ich will keinen Konflikt sozusagen auf offener Straße. Andererseits möchte ich hier auch nicht missverstanden werden: Wer einen Konflikt mit mir will, der kann ihn haben. Zu Konflikten kann es allerdings auch kommen, wenn mir eine Nase nicht passt.
Meine Bekannte Rapunzelchen ist eine große Kuschlerin. Wer bei ihr Fellpflege zu betreiben beabsichtigt, ist willkommen. Rapunzelchen hätte sich garantiert auch vor den „Täter“ geworfen, muss sich aber zum Glück so wenig wie ich einem Prüfungsstress aussetzen. Ich komme deshalb gerade auf Rapunzel, weil ihr Frauchen meine frühere Betreuerin im Tierheim war.
Meine Betreuerin und ich – wir hatten ein großartiges Verhältnis, nicht zuletzt ein kuschelorientiertes. Ja, wir haben ein solches Verhältnis bis heute. Gerade neulich bei einer Übung in der Hundegruppe hörte ich, wie sie meinen Namen aussprach – sie rief gar nicht nach mir, sie sagte nur aus irgendeinem Grund: Elvis –, und ruckartig war ich mit meiner Aufmerksamkeit bei ihr und ließ Herrchen mit seiner ohnehin langweiligen Übung intellektuell allein.
Bis heute scheint mir nicht restlos aufgeklärt, weshalb sie mich damals an Herrchen verscherbelt hat, um später Rapunzel zu nehmen. Nun, das ist vermutlich eine sehr komplexe Frage. Und zu dieser Komplexität gehört ja ehrlicherweise auch, dass bei meinem Herrchen auch Frauchen ist. Und an Frauchen begeistert mich jene einzigartige Mischung aus nobler und spendabler Küchenkunst sowie zwischen Massage und Erotik changierender Kuschelei, die mich oft vergessen lässt, dass es da auch noch Herrchen gibt. Wenn der am Abend nach dem Feuerwerk mit Frauchen auch noch mit seinem spärlichen Flämmchen zum Gute-Nacht-Kuss kommt, wird er als Störenfried angeknurrt.
Liege ich auf meinem ergonomischen Sofa, so träume ich manchmal davon, zum nächsten Fasching als Polizeihund zu gehen, mich vor Rapunzels Frauchen und meinem eigenen hinzuwerfen, Herrchen aber nach allen Regeln der Kunst zu fassen. Solche Träumerei erheitert mich und hilft über manchen trüben Tag hinweg, wenn ich Herrchen ausgeliefert bin, weil Frauchen nicht da ist. Wenn sie allerdings da ist, ist er ihr ausgeliefert, und ich genieße viel Ruhe, gutes Essen und liebevolle Zuwendung. Dafür lohnt es eindeutig, vom Tierheim zu Herrchen gewechselt zu sein.

Elvis, du bist doch eher der Typ "SEK" - erstmal beobachten, bevor man sich einmischt. 😋 Und dann im richtigen Moment zuschnappen...
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