Betreff: Thesen zur Hitze

Die Hitze erbringt den Nachweis, dass das Herumliegen praktisch den ganzen Tag, allenfalls mit Wechsel zwischen Sonnenplatz und Schattenplatz, Inhalt des Lebens sein kann, darf, ja muss.

 

Die Hitze macht die Gießkannen-Bar auf der Terrasse zu einem Lebensmittelpunkt. Herrchen kümmert sich rührend um frisches Brunnenquell. Und rührend finde ich auch, dass er über die Gießkannen-Bar auch die Vogeltränke versorgt. Eigentlich ist die Vogeltränke eher eine Insekten-Tränke. Wenn mal ein Vogel kommt, trinkt er zwar auch, vor allem aber badet er mit lustigem Gespritze. Die Vogeltränke ist ein Geschenk von Frauchen für Herrchen, nachdem Herrchen ihr ein neues Bad geschenkt hatte.

Die Hitze hat zu Umgestaltungen im Garten geführt. Ich habe mir – von Frauchen unbemerkt, von Herrchen toleriert – hinter der Blumenwiese ein schattiges Kühl-Loch gegraben (Foto). Es taugt auch sonst als Versteck, wenn ich mal Ruhe haben will.

Die Hitze führt bei Herrchen zu der absurden Logik, dass wer sich weniger bewegt auch weniger zu essen braucht. Umgekehrt ist es richtig. Da ich mich wenig bewege, habe ich viel mehr Zeit für eine gepflegte Nahrungsaufnahme. Denn Essen ist mehr als eine Frage des Energiehaushalts, aber das wird Herrchen nie begreifen. Herrchen erinnert von seinem Besuch in einem Sterne-Restaurant nur, dass er dort irgendwie unbequem gesessen hat.

Die Hitze macht die Nacht zum Tag. Lebhaftigkeit gehört jetzt ausschließlich dem späten Abend: Wettrennen mit drei Hasen über die Wiese und zwischendrin Abkühlung im See. Herrlich.

Die Hitze führt im Rudel einmal mehr zur Sommerdebatte über eine Kühl-Decke für mich. Herrchen ist dagegen, Frauchen dafür. Ich bin mir nicht sicher, so etwas Künstliches benutzen zu wollen. Ich kenne die kühlsten Plätze im Haus und die schattigsten im Garten, das sollte genügen. Herrchens Versuch, mich in einen winzigen Swimmingpool zu locken, den er im Garten aufgestellt hatte, endete mit meiner Weigerung und seiner Durchnässung.

Die Hitze führt dazu, dass der Morgengang immer früher angesetzt wird. Furchtbar. Ich bin da weder wach noch verspüre ich Stuhldrang.

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