Betreff: Wattebausch
Zweimal im Jahr beim Fellwechsel bilden sich auf meinem Hinterteil und am Ansatz der Rute kleine weiße Fellflöckchen, kleine Wattebausche, sehr apart, die Herrchen dann abnimmt und dem Wind überlässt. Vermutlich lässt er sie auf diese Weise verschwinden, weil die hübschen Wölkchen nicht nur apart aussehen, sondern auch einen Mangel an coiffeurier Betreuung bezeugen würden.
Dabei sind Wattebausche etwas Nützliches. Mit ätherischen Ölen getränkt sollen sie die Mücken abhalten. Das sollte meine Tante mit dem Seegrundstück wissen, wo ich neulich derart von Mücken bedrängt worden bin, dass anderntags mein Schnäuzchen aussah wie ein Streuselkuchen und juckte wie Läusebefall.
Ansonsten gelten Wattebausche im übertragenen Sinn ja als Weicheier. Wobei ich gerade bei Herrchen gelernt habe, dass auch solcher Wattebausch sehr wohl gleichsam mit ätherischen Ölen getränkt sein kann. Oder anders gesagt: Wer so tut, als sei er Wattebausch, verfolgt oft genug seine machtpolitischen Interessen auf eine Weise, die man nett freundlich, böse aber hinterhältig nennen könnte. Man denke nur an die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Ich selbst hielt es früher eher mit der Ministerpräsidentin meines Heimatlandes: Angst und Schrecken verbreiten, bis keiner mehr wagt, mir meine Wattebäusche vom Hinterteil zu klauben oder mir anderweitig zu nahe zu kommen.
Wie die bei Herrchen gelernte Wattebausch-Methode in unserem Alltag funktioniert, will ich an zwei Beispielen zeigen. Nehmen wir das Kartoffelfeld, frisch von Herrchen angehäufelt. Mir war gleich klar, dass die dabei entstandenen Formen meinem ergonomischen Sofa sehr ähnlich sind. In die Furche legen, den Kopf auf die Anhäufelung – da ist es dann Open-Air fast so perfekt wie auf meinem Sofa.
Herrchen und Frauchen fanden das „niedlich“ und zückten ihre Handys. So setzt man sich durch und wird dafür noch gemocht, selbst wenn es die Kartoffelernte schmälert. Ich mag sowieso keine Kartoffeln, es sei denn mit Leinöl getränkt oder auf andere Weise kulinarisch dem eigentlichen langweiligen Kartoffelsein enthoben. Ich sage nur: Gratin.
Bei der Wahl unserer Gassi-Wege gehe ich ähnlich vor, indem ich die Fortbewegung verweigerge, wenn es mir nicht passt. Freilich musste ich rasch begreifen, dass sich Wattebausch-Herrchen von mir die Wege nicht vorschreiben lässt, sondern nach dem alten Ulbricht-Wort nur so tut, als würde es demokratisch aussehen, in Wirklichkeit jedoch alles fest in der Hand hält. Und letztlich sind die von Herrchen ausgesuchten Wege doch auch immer so, dass ich mit seiner Wahl nicht wirklich zu hadern habe. Das ist der Unterschied zu Ulbricht. Lieber Wattebausch als Sozialismus, sozusagen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen