Betreff: Lübeck
Neulich waren wir rudelmäßig in Lübeck. Herrchen bog allerdings gleich am Museum St. Annen ab, um sich dort in mittelalterliche Altäre zu vertiefen, wobei er, wenn ich es richtig verstanden habe, einen speziellen im Auge hatte. Frauchen und ich mussten derweil durch die Stadt schlendern.
Was ist Lübeck heruntergekommen! Bestenfalls geruchsmäßig hat die Stadt noch was zu bieten. Ich fragte mich, wieso Herrchen damals nach der Grenzöffnung unbedingt nach Lübeck musste und am liebsten vor Freude geheult hätte, als er endlich am Holstentor stand. Nun, das liegt Jahrzehnte zurück und kann heute bestenfalls als Sentimentalität durchgehen.
Beim Stadtrundgang fragte ich mich, weshalb Urlaub und Reisen derart oft als Synonyme verwendet werden. Was hatte ich denn von unserer Urlaubsreise? Mir waren die Gewohnheiten abhandengekommen. Ich schlief schlecht. Das Essen entsprach nicht dem häuslichen Standard. An Spiele war gar nicht zu denken. Leinenzwang überall. Dauernd ging es an den Strand, die Ostsee eiskalt, der Strand voller Schlick, bei dem Frauchen zeterte, wenn ich mich in dem Zeug wenigstens ein wenig parfümierte.
Und dann noch der Ausflug in die heruntergekommene Stadt. Einen Tag später musste ich sogar in einem Hochhaus neun Stockwerke Treppen steigen, weil der Fahrstuhl nicht mehr richtig funktionierte. Oben war ich völlig verdurstet, und der Muskelkater ziept noch jetzt.
Zugegeben, in unserem schicken Urlaubsquartier auf der mecklenburgischen Seite vermittelte mir Frauchen regelmäßig außerordentliche Happen vom exzellenten Büfett, aber das wog die sonstigen Defizite nicht auf.
Das Quartier war durchaus hundefreundlich. Aber ausgerechnet bei uns hatten sie das im stolzen Preis einbegriffene Hunde-Equipment vergessen. Frauchen mahnte das an, und schon standen drei Hotelangestellte in der Tür mit den Hunde-Sachen, wo ich das Zimmer doch soeben als mein verteidigenswertes Revier anerkannt hatte. Da habe ich dann nach langer Zeit mal wieder zeigen dürfen, wofür ich früher einen Ruf hatte: Anderen Leuten durch meine Körpersprache das Gefühl zu vermitteln, ihr Arsch gehe auf Grundeis.
Aber wozu die Aufregung? Die Leckerli, die zum Equipment gehörten, irgendwelche getrocknete Ohren, schmeckten nicht einmal sonderlich.
Vielleicht stimmt es, dass man eigentlich nur reist, um wieder nach Hause zu kommen. Zu Hause bin ich erst einmal losgeprescht und habe, ungestört von einer Leine, einen bedeutenden Haufen gesetzt, mengenmäßig mehr als alle Büfett-Happen zusammen.
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