Betreff: Aus dem Tagebuch
Montag
Herrchen meint, ich solle meine Verteidigungsbereitschaft erhöhen und mir nicht immer alles gefallen lassen von anderen Hunden. Überhaupt, setzt er hinzu, wer im Wohlstand lebe wie ich, sollte bereit sein, seinen Wohlstand zu verteidigen, denn mit Wohlstand könne es auch schnell mal vorbei sein. Ich bin da anderer Meinung und teile sie, wie mir scheint, mit vielen. Je größer der Wohlstand, sage ich mir, desto geringer die Bereitschaft, ihn zu verteidigen, ja überhaupt noch irgendetwas für ihn zu tun. Und so handle ich auch, wenn man denn Nichtstun Handeln nennen darf.
Dienstag
Auf einer abgemähten Wiese finde ich etwas Undefinierbar-Essbares und mache mich drüber her. Da kann Herrchen rufen, wie er will. Schließlich kommt er angerannt, er will wohl auch was abhaben. Aber das lasse ich knurrend und schnappend nicht zu. Auf dem Höhepunkt der Krise zwischen uns sehe ich auf dem Weg nahebei einen Wanderer kommen. Einmal im Flow, will ich jetzt den mir schnappen. Herrchen gerät außer sich. Herrchen außer sich – immer wieder schön.
Mittwoch
Eine Freundin erzählt, sie habe ihren Neffen zum Gassigehen mit dem Hund der Familie wie folgt ermuntert: „Dem kannst du alles erzählen. Der gibt keine Widerworte.“ Das stimmt, kann ich da nur sagen. Wie oft hat mich Herrchen schon vollgeschwallt. Durch mich geht das hindurch wie Joghurt. Dass er das alles Frauchen erzählen würde, stellen wir uns lieber gar nicht erst vor. Stichwort: Widerworte.
Donnerstag
Mit unseren Gassigängen ist es wie mit der modernen Gesellschaft. Herrchen lebt in dem Gefühl, den Weg bestimmen zu dürfen, wird dabei aber von mir kritisch begleitet. So lange mir seine Entscheidungen passen, trotte ich mit, mal gern, meistens gleichgültig, und wie in der richtigen Politik je nach Stimmung. Wenn ich aber Herrchens Entscheidung ablehne, weil mir gerade danach ist, bocke ich mich auf zum Generalstreik (siehe Foto). So ein Machtkampf kann dauern. Sieht Herrchen sich endlich gezwungen, wie ein Politiker abrupt die Richtung zu ändern und meinem Willen zu folgen, springe ich, der ich eben wie festgewurzelt schien, siegreich in die neue Richtung davon. So demütigt man richtig.
Freitag
Unsere liebste Freundin erzählt am Telefon, sie sei in ihrem See vor der Haustür von einem Hecht in einen Zeh gebissen worden. Der Hecht hat sie offenbar mit einer Rotfeder verwechselt, was bei ihrer Erscheinung schon mal vorkommen kann. Es wird jedenfalls viel gelacht am Telefon bei dem Bericht, und dem Hecht bleiben Vorwürfe erspart. Nun stellen wir uns vor, ich würde einfach so in Zehen beißen. Das Geschrei! Umgekehrt wäre es mit mir an der Seite nie im Leben zu der Hecht-Attacke gekommen. Aber, leider, leider, lag ich fern von jenem See noch im tiefen Schlaf, als der Hecht unsere Freundin als Rotfeder attackierte.
Samstag
Ein Freund schickt uns eine Karte. Herrchen freut sich darüber, denn die Karten von unserem Freund sind kleine Malereien. Wir haben von ihm auch zwei großformatige Bilder in unserem Haus, das er auch entworfen hat. Der Freund lässt uns wissen, dass die berühmte Modezeitschrift „Vogue“ eine Sonderausgabe „Dogue“ anbietet, zumindest online. Sie soll, glaubt man einer Besprechung, so großartig sein, dass die Leser, vor allem aber die Betrachter der „phänomenalen“ Fotos nur noch sagen können: Wuff. Interessant. Könnte ich da reüssieren? Mit den tollen Pfotos, äh, Fotos, die Frauchen im Laufe der Zeit von mir gemacht hat? Herrchen muss sich deswegen mal kümmern.
Sonntag
Jeden Sonntag quäle ich mich morgens ins Auto, wenn es zum Training geht; ich würde viel lieber zu Hause bleiben. Heute aber ist kein Training. Prompt fehlt mir der übliche Sonntag. Ich dränge Herrchen immerzu, mit mir etwas zu unternehmen. Weil er nicht recht reagiert, trage ich zum Ausgleich in aller Seelenruhe seine teure neue Nackenrolle in den nassen Garten. Wie empörend wenig Herrchen sich um mich kümmert, lässt sich daran erkennen, wie lange er braucht, bis er das merkt.

🤣....Hunde werden zugeschwallt, dass kann ich nur nur bestätigen. Leider müssen unsere Lieblinge das ertragen und können keinen Kommentar dazu abgeben. Kein Wunder also, dass sie ,wenn sie die Gelegenheit haben,stiften gehen...😏😬
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