Betreff: Feelgoodmanager
Neulich waren wir für ein paar Tage an der Ostsee, in einer Hotelanlage, die auf dem Gelände eines alten Gutes entstanden ist. So etwas interessiert Herrchen immer, also wurde sogar er reiselustig. Gleich neben der Rezeption hängen Porträtfotos vom Management des Hauses an der Wand, dabei auch ein Hund, der als Feelgoodmanager fungiert.
Oder vielleicht fungierte, wir jedenfalls bekamen ihn nicht zu Gesicht, die Fotos hängen dort bestimmt schon eine Weile. Ich fand das Foto vom Hund aber so anregend, dass ich mir dachte, für die kurze Zeit unseres Aufenthaltes den Feelgoodmanager zu übernehmen, ehrenamtlich, versteht sich.
Hunde können so viele Aufgaben haben, manche hüten, manche jagen, manche führen Blinde oder helfen bei der Suche von Menschen. Mir wäre all das viel zu anstrengend, und wenn ich dann dabei womöglich auch noch draußen wohnen müsste und schmutzig würde – um Himmels Willen. Management aber ist gut, warm, sauber, normalerweise gut bezahlt und nicht überanstrengend.
Nun gab es zwar ein halbes Dutzend Hunde in unserem ausgesprochen hundefreundlichen Hotel, aber keiner von ihnen hatte Reife, Alter, Ausstrahlung und Stil wie ich. Unter anderem gab es da einen Hund, der eher wie eine Fledermaus aussah und mir auch nur unwesentlich größer schien. Wir trafen ihn beim Morgengang mit seinem hübschen rothaarigen Frauchen, was für ein Paar. Ich will nun keineswegs behaupten, dass die Fledermaus nicht auch ihren Platz im Management finden könnte, aber als Feelgoodmanager?
Wie echte Führerpersönlichkeiten aus dem Management fand ich trotz der Beanspruchung viel Zeit, im Park herumzuliegen und bei dieser Gelegenheit darüber nachzusinnen, dass ich nicht erst hier Feelgoodmanagement betrieb, sondern mit noch viel größerer Selbstverständlichkeit solche Verantwortung zu Hause trage, im kleinen Rudel sowieso, besonders bei meinem missmutigen Herrchen, aber auch im erweiterten Rudel oder bei Besuch.
Okay, ich habe als Gegenleistung freie Kost und Logis, auch bin ich privat krankenversichert. Aber sonst, was habe ich eigentlich davon? Ich will nun nicht die große Welle machen und mit meinem knausrigen Herrchen in Gehaltsverhandlungen treten. Aber ich fände es nach dem Ostsee-Vorbild angemessen, künftig bei uns zu Hause im Vorraum mit Foto und Hinweis auf meine Tätigkeit gewürdigt zu werden.
Nun, wie alles Schöne in der Welt ist auch das nur Träumerei im Park und die Wirklichkeit eine herbe andere. An unserem Gartenzaun hängt statt meines Porträts seit kurzem das Geschenk eines meiner Fans: eine Tafel, die einen – mir nicht im geringsten ähnlichen – Hund zeigt und vor ihm warnt. Dazu gibt es eine Strichliste seiner Opfer, Katzen, Briefträger, Einbrecher und so weiter. Unten in der letzten Spalte werden auch noch „blöde Nachbarn“ erwähnt, derer jener Hund angeblich schon drei kaltgemacht hat. Wo wir kaum Nachbarn haben, und die wenigen durch die Bank liebenswert sind, wir feiern sogar Straßenfeste zusammen. Peinlich, oder? In Wirklichkeit habe ich noch nicht einmal drei Briefträger (genauer Postausträgerinnen) gebissen, sondern nur zwei. Von Kaltmachen gar nicht erst zu reden.
Ich bin auch auf Instagram unter elvis.blog, und mein Blog darf gern geteilt werden.

😄😄😄👍👍👍👍Elvis, 7ch bin ganz erstaunt, dass du auch ernsthaft beißen kannst...!!!
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