Betreff: Alt Madlitz

Neulich waren wir ein Wochenende lang als großes Rudel im Osten Brandenburgs. Sehr nett, schönes Quartier, vor langer Zeit eine Wassermühle. Von hier machten Herrchen und ich einen Ausflug in das Nachbardorf. Er wollte zu Fuß dorthin, ich weigerte mich und setzte mich automäßig durch. Das Nachbardorf heißt Alt Madlitz.

 

Wir sind im Dorf selbst dann noch ziemlich lange zu Fuß unterwegs gewesen. Als hätte ich es geahnt. Solche Gassigänge mit Herrchen haben eine besondere Note. Herrchen will dann nämlich etwas erkunden, was er eigentlich schon weiß, aber noch nicht selbst gesehen hat. Wir sind also über den Friedhof gestolpert und danach durch den Park am Herrenhaus.

Unterwegs fragte ich mich, ob ich solche Gassigänge eigentlich schätze, die nicht für mich, sondern allein für Herrchen unternommen werden. Nun, Bewegung tut immer gut. Außerdem waren wir in Alt Madlitz dem Rest des großen Rudels mit seinen Ansprüchen an mich als Familienhund für zwei Stunden entflohen.

Sowohl Vor- als auch Nachteile hingegen sah ich darin, dass Herrchens Aufmerksamkeit nur noch zu einem Teil, einem geringen sogar, auf mich gerichtet ist. Einerseits finde ich das empörend, andererseits gewinne ich an Freiheit. Hingegen ein ausgesprochener Nachteil scheint mir, dass Herrchen mir an der Leine hängt wie ein Klotz am Bein.

So habe ich wohl nur den geringsten Teil des Parks erkundet. Er soll an einem See liegen, hätte ich interessant gefunden, aber Herrchen beschäftigten mehr die Bauten im Park: das Herrenhaus, offenbar berühmt, das wir aber nur aus der Ferne sehen durften. Außerdem ein Rundbau, eine Art Tempel, mitten auf einer Wiese, über den mir Herrchen erzählte, ursprünglich hätte darin eine Aphrodite stehen sollen. Nun musste ich, sozusagen als Aphrodite-Ersatz, Sitz darin machen, derweil ich darüber nachsann, ob es mir nicht besser stehen würde, im Herrenhaus selbst zu leben. Da wohnen doch auch immer Hunde. Ich bin zwar nicht von Abstammung, aber heutzutage wohnt doch auch nicht mehr der Adel allein in solchen Häusern, oder?

Herrchen träumt übrigens gleichfalls von einem Leben in so einem prächtigen Haus. Aber ihm müsste doch klar sein, dass er nicht mal sein kleines Eigenheim im Griff hat, und das als Rentner. Wer in Herrenhäusern wohnt, hat aber nicht nur mit Haus und Park zu tun, sondern meistens noch eine andere Aufgabe, etwa einen Landwirtschaftsbetrieb zu führen.

Wie auch immer, träumen sei erlaubt. Nach unserem Ausflug kehrten wir in unsere Mühle zurück in der Erwartung eines Schläfchens. Aber nichts da, ich war sogleich wieder als Familienhund gefordert, wobei erschwerend hinzukam, dass Herrchen mein Sofa mitten im Wohnbereich platziert hatte. Er für sich hätte die Treppe hoch wenigstens ein Schlafzimmer gehabt, um noch etwas von Alt Madlitz zu träumen. Hat ihm aber auch nichts genützt, Frauchen rief ihn sogleich in die Küche. Das große Rudel wollte bekocht werden, ein Küchenhelfer wurde benötigt. Immerhin fiel dabei ein Häppchen für mich ab, von Frauchen großartig gereicht. Ich glaubte zuerst, ich hätte mich verschmeckt. Aber es war tatsächlich Damwildbraten.

Kommentare

  1. Na Damwild muss man unbedingt probiert haben. Wildschweinwurst trifft bestimmt auch deinen Geschmack, Elvis. Eine Empfehlung von Bärchen ;)

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  2. Einen besseren Aphrodite-Ersatz kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, ach quatsch, was heißt denn eigentlich 'Ersatz'? 😘

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