Betreff: Das Vierteljahr

Neulich sagte jemand in der Hundegruppe, wenn man mich so sehe – entspannt, freundlich, professionell –, dann könne man sich gar nicht vorstellen, dass ich Postbotinnen zwicke oder andere Ungezogenheiten begehe. Dieser Eindruck ist durchaus richtig. Und auch wieder nicht. Der nette, anhängliche Pudel aus Goethes „Faust“ erweist sich ja auch als der Teufel persönlich. Wobei ich natürlich kein Pudel und also nicht der Teufel bin; Pudel haaren nicht, ich sehr wohl.

 

Aber es ist doch so: Wie oft musste ich mich hier schon über meinen immergleichen Alltag und mein langweiliges Herrchen beklagen. Herrchen behauptet zwar von sich, ihm sei nicht langweilig, seine Abenteuer vollzögen sich im Kopf. Aber wer will das prüfen. Und außerdem stellt sich doch die Frage, was ich davon habe.

Nun, schöne lange Gassigänge, zugegeben. Ihm sind sie wichtig, weil er dann seine Gedanken treiben lassen kann. Er verdankt, so gesehen, mir manche Eingebung. Sagt er selbst. Zwar schätze auch ich die Gassigänge, aber ich fühle mich ausgenutzt. Ich spiele für Herrchen eine Rolle wie bei anderen Drogen, Alkohol oder Frauen.

Aber so wie Drogen eine schlimme Wirkung haben können, Alkohol krank macht und Frauen einen fertigmachen, gilt auch für mich, dass der Krug so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Etwa alle Vierteljahr hängt mir das ewige Einerlei zu Hause zum Hals raus wie nach einem jagdlichen Erlebnis die Zunge. Dann muss ich, um es billig zu sagen, die Sau rauslassen. Ein Vierteljahr deshalb, weil nach einem Sau-raus-Lassen Herrchens Achtsamkeit eine Belebung erfährt, die erfahrungsgemäß etwa ein Vierteljahr lang währt. Ist alles wieder beim liberalen Larifari, werde ich auch wieder aktiv.

Freilich verfüge ich nur über ein bescheidenes Aktivitätenarsenal, da können andere noch ganz anderes vorweisen. Zum Beispiel auf Kleinkinder im Kinderwagen zulaufen und sie ablecken – ich will da jetzt keinen Namen nennen. Ich zwicke mal eine Postbotin oder verwüste die Wohnung. Einmal habe ich Herrchens Jacke von der Garderobe geholt und zerfetzt, weil noch alte Käsestücken (eklig!) in der Taschen vergessen lagen. Ich gehe jagen oder gestalte eine Begegnung mit einem mir unbekannten Hund unvergesslich – wie auch den Versuch von Herrchen, mir eine Zecke aus dem Fell zu entfernen. Oder wenn mir überhaupt nichts anderes einfällt, lasse ich grundlos Herrchen einfach nach mir rufen, bis er schwarz wird.

Aber es müsste mal was Neues her. Einer der Herausgeber jener Zeitung, bei der Herrchen früher arbeitete, erzählte einst, sein Hund habe dem Hundelehrer ans Bein gepinkelt. Das ist stark. Kommt leider für mich nicht in Frage. Zum einen ist unsere Knurr-Freundin eine Frau, da benimmt man sich. Zum anderen wäre ihre Reaktion auf ein Anpinkeln vermutlich derart, dass ich um mein Leben fürchten müsste. Schon die Drohungen in der Gruppe immer: „Ich zieh dir die Hammelbeine lang“ oder „Dem würde ich die Eier langziehen“. 

Nun, vielleicht hat jemand noch andere und bessere Ideen, die nicht ganz so lebensgefährlich daherkommen. Nicht umsonst gibt es in diesem Blog ein Kommentarfeld.

Kommentare

  1. Na so ein Schaf von schräg gegenüber für den Thermomix wäre doch etwas Feines...

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  2. Also Elvis was hast du denn für eine aggressive Knurr - Freundin..? Mit solchen Methoden erreicht man bei uns Vierbeinern gar nichts.Man(n) sollte ihr mal zu verstehen geben, wie man in den Wald rein ruft so schallts auch wieder raus.!! Und dein Herrchen sollte statt bei den Spaziergängen über seine literarischen Werke nachzudenken, sich lieber mal mit der Hundesprache auseinander setzen! So das eure Gassigänge für beide eine Bereicherung wird...😉😊

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