Betreff: Hinterausgang

Neulich war ich abends auf meinem weiträumigen Sofa damit beschäftigt, mir den Hinterausgang zu massieren. Herrchen, der mir gegenübersaß, sah fasziniert zu. Ich meinte sogar, in seinem Blick so etwas wie Neid bemerkt zu haben. Herrchen kann sich naturgemäß nicht selbst behelfen, wenn sein Hinterausgang mal einer Behandlung bedarf.

 

Hinterausgang – schon das Wort hat etwas Despektierliches, aber immer noch besser als das andere Wort mit A. Sicher, jedes Haus sollte besser einen Hinterausgang besitzen, aber Hinterausgang steht doch auch gleich für Dunkles, Kleinliches, Schmutziges, ja Kriminelles. In jedem Fall also Unangenehmes. Und so wird es auch gleich unangenehm, wenn Herrchen bei seinem Hinterausgang nicht abends still für sich seine Zähne und seine Zunge benutzen kann, sondern am Tag zum Arzt muss.

Die schlimmen Sachen, die da behandelt werden, tragen auch schlimme Namen, habe ich gelernt. Okay, Hämorrhoiden kennt man, auch wenn ich den sehen möchte, der das Wort einfach so richtig dahinschreiben könnte. Aber Rektumprolaps, Analfissur, Abszeß, Fistel? Oh je. Und können Hunde das auch kriegen? Was würden Herrchen und meine Hausärztin tun, wenn ich mit Rektumprolaps ansäße (soweit man da von sitzen sprechen kann)? Das klingt doch schon wie Kollaps. 

Okay, mir hängt gelegentlich auch mal hinten was raus, aber das sind dann unverdauliche Grashalme. Herrchen greift in solchen Fällen und gegen meinen Widerstand beherzt zu und zieht sie mir heraus.

Die Ärzte, die sich mit Hinterausgängen auskennen – Herrchen hörte im Wartezimmer sogar den automobilnahen Begriff Auspuffarzt –, heißen jedenfalls Proktologen und werden gern mit Podologen verwechselt, was wundervolle Sketche ergibt. Herrchen und ich fuhren neulich mal hin, ich musste draußen im Auto warten. Herrchen erzählte mir später von seiner Behandlung, dass der Arzt auf den Behandlungstisch gewiesen und gesagt habe: „Ihre Bühne bitte.“ Und das hätte ihn, Herrchen, gleich an meine Hinterausgang-Sofasoloauftritte erinnert, und das wiederum habe ihm seinen Auftritt auf dem Behandlungstisch doch sehr erleichtert. Ich tue ihm gut, sage ich immer wieder – und hätte es gern auch umgekehrt so.

Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen, Herrchen bekam es nicht gleich mit Rektumkollaps zu tun, obwohl er manchmal so tut. Er sollte sich einfach an mir ein Beispiel nehmen, wie man das mit dem Hinterausgang normalerweise erledigt, nämlich unauffällig, drucklos, kurz, wie nebenbei und vergnügt dabei die Schönheiten der Landschaft betrachtend. Und mit viel Bewegung zuvor.

Eines meiner Sprichwörter sagt ja auch: Viel bewegen, wenig dösen, dann kannst du dich auch zweimal lösen. Ein anderes mahnt freilich auch: Durch Verdauung wird enthüllt, ob der Napf auch gut gefüllt.

 

Kommentare

  1. Elvis, das Sprichwort ist genial, das kannte ich noch gar nicht ...🤣, aber Elvis du bist ein toller Hund und dein Herrchen wäre sehr traurig, wenn du nicht da wärst.Mein Frauchen hilft mir auch ,wenn aus meinem Hinterausgang noch ein unverdauter Grashalm guckt, aber das ist wirklich sehr selten.Übrigens was das Bild von dir betrifft, könnte man meinen ,dass ich das wäre...🥲

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  2. Wieder mal herrlich zu lesen. Danke 🙂!

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