Betreff: Niendorfer Notizen
Wir sind wieder einmal in Niendorf an der Lübecker Bucht, dasselbe Quartier wie im Frühjahr. Ich kenne mich also aus und nutze das Durcheinander bei unserer Ankunft, es mir auf dem Sofa bequem zu machen. Ich rechne natürlich damit, von dort wieder vertrieben zu werden. Aber nein, mein erschöpftes Herrchen setzt sich zu mir und betreibt Fellpflege. Ein magischer Moment. Wir spüren beide, dass wir alt geworden sind und uns nach Ruhe und Stille sehnen. Herrchen außerdem nach Lesen, er hat Heinz Strunks „Ein Sommer in Niendorf“dabei. Aber dann ruft der Jüngste aus unserem Rudel, keine zwei Jahre alt, wir also los. Ihm sind wir gern willfährig.
Bei Strunk steht, was uns in Niendorf erwartet: „Roth setzt sich auf einen der überall herumstehenden uniformen Plastikstühle und beobachtet die Leute: in der Mehrheit Alte, Uralte, Superalte. Ein paar Familien und Paare im Erwerbsalter. Feierwütige Partypeople Fehlanzeige, für die ist es hier entschieden zu öde und außerdem zu teuer.“ Unser großes Rudel gehört zu den Kategorien Alte und Familie.
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Es ist kalt geworden. Ausgerechnet jetzt geht mein Wintermantel kaputt. In Travemünde wird ein neuer gekauft. In dem alten sah ich aus wie ein Politkommissar der Roten Armee aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. In dem neuen sehe ich aus wie ein russischer Großfürst. Daraus darf bei mir aber keineswegs auf eine Affinität zum Osten geschlossen werden. Mantel eins wie Mantel zwei sind eindeutig Produkte der westlichen Konsumgesellschaft, ich mochte und mag sie beide nicht.
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Zum Glück unternehmen wir aus Rücksicht auf das Rudel keine großen Ausflüge. Wir lesen Strunks Niendorf-Roman: „Den Weg zum Bordtener Ufer muss er sich mit Myriaden von Greisenradfahrern teilen. Schrecklich, diese Rentner. Er stellt sich vor, sein Rachen wäre wie der eines Komodowarans, mit tödlichen Bazillen verseucht. Wenn er einen Rentner bisse, würde er ihm einen kleinen Vorsprung gewähren, die Witterung aufnehmen, ihn verfolgen und schließlich zur Strecke bringen.“
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Das Rudel ist über Herrchen verärgert. Als wir im Niendorfer Hafen spazieren, sehen wir, wie ein sehr dunkelhäutiger Mann (sagt man Schwarzer?) geschickt ein Boot anlegt. Herrchen sagt: „Schaut mal, ein Schiff aus Afrika.“ Mir wird die Frage vorgelegt, was ich von dieser Bemerkung halte. Herrchens Humorlosigkeit, wirklich nicht neu.
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Strunk ist schlimmer: „Breda, Typ krummer, langer Lulatsch mit Plauze, strohiges Haar, pergamenthäutig, dünne Ärmchen und Beinchen, hat das Äußere eines chronischen Alkoholikers. Unter seinem engen T-Shirt zeichnen sich ein halbes Dutzend Speckrollen und zwei auf den Sauf-Spitzbauch herabhängende Titten ab.“
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Jeden Morgen am Strand begegnen wir im Dämmern einer Hundemeute mit weihnachtlich bunt leuchtenden Halsbändern. Mich Ossi mit meiner einfachen Signalleuchte am Halsband mobben sie. Strunk: „Am deprimierendsten ist, dass er nicht sagen könnte, was sich ändern müsste, damit er sich besser fühlt.“ Ich weiß es wohl: rasch zurück ins Ferienhaus, frühstücken.

Hunde mit weihnachtlichem Halsband ist mit Verlaub kitschig.Darüber muss man nicht traurig sein! Der Hund sollte zu Weihnachten und im Alltag, wenn er denn ein Halsband trägt ,stilvoll sein!.Wünsche frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Elvis ,bleib gesund ,ebenso dein Herrchen und Frauchen 😊😉
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