Betreff: Highway Star

Neulich war ich zu Besuch bei meinem alten Kumpel Clio. Wir sind herrlich durch die Gegend gejagt wie lange nicht mehr. Aus Wiedersehensfreude, einerseits. Aber auch, weil sein Grundstück so beneidenswert weitläufig ist. Und dann hat Clio ein Frauchen, das Geschwindigkeiten liebt. Sie ist eine tolle Autofahrerin und war sogar schon mal auf dem Nürburgring unterwegs, ein rechter Highway Star sozusagen.

 

So kam es zu einer albernen Szene auf unserer Rückfahrt. Wir schlichen mit kaum dreißig Stundenkilometer auf schmaler und dunkler Straße mitten durch dichten Wald dahin, während Herrchen auf dem Beifahrersitz „Highway Star“ von „Deep Purple“ summte.

Eine Live-Fassung von „Highway Star“ besitzt er auf dem Doppelalbum „Live in Japan“, einer Ikone der Rockgeschichte. Die Platte hätte er in seiner DDR-Jugend gern gehabt, aber da war so etwas unerreichbar. Jahrzehnte später kaufte er „Made in Japan“ – auf einem Flohmarkt. Übrigens nicht so sehr wegen „Highway Star“, sondern vor allem wegen des zweiten Titels auf der ersten Seite der ersten Platte, also nach dem „Highway Star“-Auftakt. Kenner wissen gleich, was gemeint ist: „Child in Time“. Wenn Herrchen das hört, kommen ihm Sentimentalitätstränen. Ich finde es auch nicht schlecht und knurre mit, wenn Ian Gillan seine Stimme hochschraubt.

Wie war ich da jetzt drauf gekommen? Richtig, wegen Clio. So schön es mit ihm war, noch schöner bleibt es, in der völligen Freiheit von Feld und Flur umherzuschwirren. Neulich hatte ich mal wieder die Gelegenheit, gleich morgens in wunderbarem Sonnenlicht. Ich meinem dahintrottenden Herrchen einen Vogel gezeigt und los, einmal über den alten Bahndamm wie Clios Frauchen damals über den Nürburgring. Wirklich im Wortsinn als Highway Star.

Mein Antritt ist ja derart, dass BMW von mir noch etwas lernen könnte. Und der Geschwindigkeitsrausch zwischen meinen schlackernden Ohren fühlt sich an, wie Clios Frauchen sich damals gefühlt haben muss in ihrem Cabrio auf deutschen Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.

Glücksmomente haben allerdings immer unerfreuliche Folgen. Als wir wieder zu Hause waren an jenem Sonnenmorgen, sagte Herrchen: „Du hast mich warten lassen, jetzt lasse ich dich warten.“ Konkret hieß das: Mein Frühstück, auf das ich nach so viel körperlicher Anstrengung lebenserhaltenden Anspruch hatte, wurde erst mit tierquälerischer Verspätung gereicht.

Später war natürlich alles wieder schick zwischen uns. „Made in Japan“ wurde aufgelegt, und der alte Mann ließ es noch einmal derart krachen, dass man sein eigenes Bellen nicht mehr hörte.

 

Kommentare

  1. Child In Time, was für eine Parallele zum Thema Geschwindigkeit. Wie der Song Fahrt aufnimmt.. grossartig!
    Also, Elvis, du hast ja den ein oder anderen Grund über dein Herrchen zu meckern, aber nicht über seinen Musikgeschmack🤩

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    1. 👍👍👍 ich bin jetzt 72 Jahre und child in time erinnert mich sehr an meine Jugend 1970 ...😊

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