Betreff: Arthur
Neulich erfuhren wir, Herrchen und ich, den Namen des Hütehundes aus der Hühnerfarm, eines Pyrenäischen Berghundes. Bislang war der für uns immer nur der „Weiße Riese“, den wir oft besuchen und sehr mögen. Er heißt in Wirklichkeit Arthur. Ich bin gar nicht glücklich darüber, das jetzt zu wissen.
Denn was schwingt nicht alles mit bei dem Namen Arthur. Schon dass der Name irgendwie mit Bär zu tun hat, dem König der nordischen Tierwelt, zeigt die Größe eines Arthurs. Und dann: König Artus, der Sagenumwobene mit seiner Tafelrunde großer Ritter. Artus mit seinem Schwert Excalibur und seinem Hund Caball, der dabei ist, wenn der gewaltigen Eber Twrch gejagt wird. Gleich die halbe Kulturgeschichte schwingt mit in dem Namen Arthur.
Oder Arthur aus Ecuador, auch so ein weißer großer Hund, ein Streuner, der sich vor vielen Jahren einer schwedischen Sportmannschaft – die Sportart war irgendwie hanebüchen, habe ich vergessen – anschloss und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit schließlich, geimpft, gechippt und entlaust, schwedischer Hund wurde. Das Kino hat daraus was gemacht, und noch heute hat Arthur einen Wikipedia-Eintrag.
Das alles schwingt mit und macht mich neuerdings, ich muss es zugeben, dem „Weißen Riesen“ gegenüber etwas demütig. Bei mir, also bei Elvis, nämlich schwingt gar nichts, außer vielleicht ein paar Hüften, aber das ist dann auch schon wieder ein alter schlechter Witz. Ich habe mich mit dem „Weißen Riesen“ immer gut verstanden, immer eine kleine Plauderei und Pinkelei, ich vor dem Zaun, er dahinter. Und immer die Frage, ob es auch ohne Zaun so gut mit uns laufen würde. Ich persönlich hätte diese Frage aus freudiger Seele stets bejaht. Aber ist ein Arthur dann doch nicht eine Nummer zu groß für mich?
Herrchen winkt ab. Er nämlich, als er den Namen Arthur erfahren hatte, setzte fröhlich seinen Weg mit mir fort und sang leise vor sich hin: „Bin zwar kein Riese von Wuchs, doch voll List, und so eile ich flugs. Guten Rat hab ich stets nicht zu knapp. Geht was schief, ruf nach mir. Ich komm gleich, helfe dir, Arthur der Engel.“ Bis nach Hause ging das so, nerv.
Der alte Ossi erinnerte sich an „Arthur der Engel“, eine uralte ungarische Zeichentrickserie, schwarzweiß natürlich wie Herrchens Weltbild. Arthur kommt in den Himmel, wo er endlich seine Ruhe haben will. Aber Petrus schickt ihn immer wieder auf die Erde, um dort Leuten aus der Patsche zu helfen. Arthur scheitert dabei zwar gern, aber sein Scheitern bringt über Umwege doch immer wieder eine Lösung aller Probleme. So ähnlich wie bei Herrchen, der sich vielleicht schon damals als Kind von Arthur verstanden wusste, wer weiß.
Auch wenn Arthur der Engel aussieht wie ein älterer pausbäckiger Verwaltungsangestellter, hat er doch Flügel, wie sich das für einen Engel gehört. Freilich nutzt er lieber seinen Schirm für die Flüge vom Himmel herab, vorsichtshalber sozusagen, weil er den Flügeln nicht so recht traut. Auch das hat mit Herrchen und mir zu tun. Denn obwohl Herrchen immer wieder gesagt wird: „Traue deinem Hund“, nimmt er doch lieber den Schirm, äh, die Leine.

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