Betreff: Krokodil

Neulich beim Hundetraining meinte eines der am Spielfeldradnd zuschauenden Herrchen, mich als Krokodil wahrgenommen zu haben. Und das allein deshalb, weil ich mich wie gewohnt nachdrücklich eines Käsestücks versichert hatte, das Herrchen als Leckerli ohnehin für mich in seiner Hand bereithielt. Ja, soll ich denn ein Leckerli mit Kussmund nehmen?

 

Es war jedenfalls beim Hoopers. Wir machten das zum ersten Mal. Hoopers ist eine abzulehnende Übung, weil sie eher auf einen Kasernenhof gehört. Denn Herrchen steht da wie ein Unteroffizier, kommandiert herum, und ich muss umherlaufen wie ein Rekrut, bis mir die Zunge aus dem Hals hängt und noch länger.

Und dann wird daran noch gelobt, dass ich beim Hoopers nicht springen muss, weshalb Hoopers als gelenkschonend gilt. Was für ein blödes Argument, denn mit meinen Gelenken ist alles in Ordnung und jeder kann ja mal zusehen, wie ich die hohen Erdhaufen an der Umgehungsstraßenbaustelle bei mir zu Hause geradezu fliegend überwinde, steckt in mir doch die sagenumwobene Sprungkraft des belgischen Schäferhundes.

Also wirklich, dachte ich so bei mir, als Herrchen mich nach dem Hoopers wieder zum Auto führte: Nach fünf Jahren ununterbrochenem Zusammensein von ihm und mir – was für eine Demütigung. Dass man da auch mal krokodilmäßig drauf ist, versteht doch jeder.

Aber abgesehen davon: Was weiß jenes Krokodil-Herrchen eigentlich von Krokodilen? Der kennt – wie wir alle – das Krokodil bestenfalls aus dem Puppenspiel, wo es auch noch eine überaus fragwürdige pädagogische Rolle einnimmt. So frisst es unter anderem die Großmutter, die zum Personal des Puppenspiels gehört wie Kasper, Grete, Seppel, der Polizist und so weiter. Oder verwechsle ich da jetzt was?

Egal, man stelle sich doch nur mal vor, ich würde mein Frauchen fressen, allein weil sie jetzt Großmutter ist. Das wäre doch fatal für das gesamte Rudel, für sie selbst, für die Enkelkinder und auch für mich, denn nur bei dem Gedanken daran, mit Herrchen fortan allein leben zu müssen, verlässt mich aller Witz. Und ich sage das nicht nur wegen der schlechten Küche, die dann auf der Tagesordnung stünde.

Was folgt aus diesen Überlegungen? Ich denke an eine Unterlassungsklage. Wenn jenes Krokodil-Herrchen mich noch einmal ein Krokodil nennt, schnappe ich nicht mehr nach dem Leckerli, was immer es gerade sein mag und in welcher Größe und Qualität. Ich schnappe nach ihm. Was wäre das für ein Kasperletheater! Oder um es mit Franz Fühmann in seinen späten Kasperlestücken zu sagen: schlipperdibix und klapperdibax! Und natürlich krokodibox und hoopersdibüx, wie ich hinzufügen muss.

 

Kommentare

  1. Mal wieder ein geglückter Start ins Wochenende mit nun zusätzlich trainierten Bauchmuskeln :) Danke Elvis, für diesen Einblick in dein Leben!

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  2. Majanne's "Schnuppel"10. April 2026 um 05:09

    Am gelenkschonensten ist es übrigens, wenn man seitlich auf dem Sofa liegt und gelegentlich mit leichtem fiepsen daran erinnert, dass für Frauchen mal wieder Zeit zum Darreichen des nächsten Leckerlis ist.

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