Betreff: Schublade
Dürfte ich den abendlichen Absacker selbst auswählen, ich würde mich für Ei oder Frikadelle entscheiden. Und das nicht allein aus qualitativen Gründen. Ei und Frikadelle werden mir nämlich einfach so gereicht, als Abendgruß nach einem gelungenen Tag. Ein Würstchen oder andere Leckerli sind hingegen immer gleich mit einer lästigen Aufgabe verbunden.
Unter diesen Aufgaben gibt es das „Pfötchen geben“ (Zirkusnummer), das Hütchenspiel (Förderung der Intelligenz), das Ausstreuen von Wurstteilen, die ich mir erst nach Aufforderung nehmen darf (Impulskontrolle) und das Suchspiel „Wo ist das rosa Wildschein?“ (Apportieren). Irgendwann hatte ich bei all diesen Spielen begriffen, dass ich die Leckerli sowieso bekomme, mich also nur etwas in Geduld fassen muss.
Das freilich ist genau die unter Hundefreunden so bezeichnete Impulskontrolle, also das Wartenkönnen. Herrchen hat mir, so gesehen, tatsächlich ein bisschen Impulskontrolle beigebracht. Eins zu null für ihn. Wobei ich mir dabei auch nichts vergebe, ist doch keine echte Niederlage für mich, oder?
Zu diesen Spielen gehört seit kurzer Zeit ein neues, die „Schublade“. Dabei wurde zunächst ein Stück Pappe mit einem Leckerli drapiert und unter ein Möbelstück geschoben, unter das ich kopfmäßig nicht passe. Beim ersten Versuch nahm Herrchen fehleinschätzend das Sofa, und prompt saß ich dann unter dem Sofa, niesend in einer Staubwolke. Also da sieht es vielleicht aus.
Für den zweiten Versuch zogen wir in die Küche, da klappte es unter einem Regal. Nur hatte Herrchen bei unseren ersten Küchenversuchen das Leckerli locker auf die Pappe gelegt, die ich in der mir eigenen Lebhaftigkeit hervorzog als gelte es das Leben. Was passierte? Ich hatte die Pappe, die Belohnung aber lag im Dreck unter dem Regal, irgendwo hinten.
Bevor ich mich nun darüber hätte aufregen können, erfüllte mich das unvergleichliche Vergnügen, Herrchen zu erleben, wie er neben mir mit seinen fast zwei Meter quer in der Küche lag und das Leckerli unter dem Regal angelte, um es mir dann direkt zu geben – so hätte er es ja auch gleich machen können.
Erst Frauchen mit ihrem praktischen Sinn kam auf die naheliegende Idee, das Leckerli etwas zu befestigen, damit es auch tatsächlich wie in einer Schublade herauskommt. Bin übrigens überrascht, wie lange die dabei benutzte Pappe hielt, obgleich sie längst aussah wie die DDR an ihrem Ende. Na, die DDR hat ja auch vierzig Jahre gehalten, aber dann war es eben doch vorbei. Herrchen benutzt neuerdings ein stabiles Tablett.
Ausnahmsweise präsentiere ich heute mal wegen des Heiterkeitseffekts ein zweites Foto, das einen Zwischenstand bei der „Schublade“ zeigt:


🤣🤣🤣😂 Grandioses Bild und Geschichte dazu!
AntwortenLöschenWie ein kleines Leckerli die Welt bedeuten kann. Das sollten wir uns doch alle gegenseitig mal reichen ☺️