Betreff: Käuzchenkuhle
In dem uralten Kinderbuch „Käuzchenkuhle“ von Horst Beseler stirbt ein kleiner Hund. Dem Unglücksfall folgt ein Wortwechsel jener, die zusehen mussten, wie der Hund unter ein Auto kam. Einer sagt: „Ein Hund kann ein besserer Kamerad sein als alle anderen.“ Ein anderer daraufhin: „Ein Hund ist ein Hund.“
Ich weiß nicht, weshalb Herrchen an dieser nebensächlichen Romanszene hängengeblieben ist wie die Märchenfiguren an der goldenen Gans. Vielleicht liegt es daran, dass er beim Thema Hunde zum Renegaten wurde. Und Renegaten sind die allerschlimmsten, weil sie auf einmal fanatisch verteidigen, was sie früher verteufelten. Oder um den berühmtesten Vers zu diesem Thema („Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“) etwas bösartig zu variieren: Der dickste Freund der Köter war einst Hunde-Töter.
Nun ja, ein Töter war Herrchen nicht, das sage ich nur wegen des Reims. Aber Herrchen war Hunde-Kritiker, seit er von einem Hund anlasslos in den Hintern gebissen worden war. Dann lernte er mich kennen, wechselte flugs die Seiten zu den Hunde-Freunden und schaut seitdem – eben typisch für Renegaten – voller Verachtung auf Hunde-Kritiker.
Ich erwähne das, weil Herrchen sich aufgeregt hat über „Ein Hund ist ein Hund“. Da schwinge ja Abwertung mit, dozierte er. Als wäre ein Hund ein Kreatur wie Reh oder Wildschwein. Reh und Wildschwein brauchten den Menschen nicht, ganz im Gegenteil, der Hund aber sehr wohl. Ein Hund sei allein durch den Menschen ein Hund. Seit Jahrtausenden seien Hunde Helfer des Menschen, und diese lange Zeit habe eine „emotionale Bindung“ hervorgebracht.
„Emotionale Bindung“! Puh! Wenn Herrchen mich wegen der „emotionalen Bindung“ zu sich genommen hat, könnte er das eigentlich auch mal zeigen, oder? Aber nein, lange Vorträge über das Hundsein statt Fellpflege. Statt Sofakuscheln nicht enden wollende Ausführungen darüber, wie in der modernen Gesellschaft die meisten Hunde ihrer Aufgaben an der Seite der Menschen verlustig gegangen seien und nur die „emotionalen Bindung“ noch übriggeblieben sei, die aber deutlich sichtbar. Einmal dahingekommen verstieg sich Herrchen ungebremst sogar zu dem Satz: „Hunde sind die besseren Menschen.“
Dieser Satz ist so maßlos verlogen, dass er in die Käuzchenkuhle versenkt gehört wie das alte Motorrad von dem Jungen, der Schraube genannt wird. Wenn ich als Hund einfach mal Hund bin (Stichwort Reh, Stichwort Wildschwein), ist es bei Herrchen im Augenblick vorbei mit dem „besseren Menschen“ und der „emotionale Bindung“. Dann nur noch Kasernenhofherumbrüllerei.
Achtung! Am 17. Mai, kommenden Sonntag, dem Internationalen Museumstag, liest Herrchen im Saal des Schlosses Hohenzieritz aus „Die Hofdame der Königin Luise“, Beginn 15 Uhr, Eintritt kostenlos.

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