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Betreff: Erfolg haben

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Das ist wieder so typisch deutsch. Kaum hat man mal Erfolg, gibt es gleich wieder Ärger. „Wenn Elvis erst einmal Erfolg hatte, wird es schwierig“, murmelt unsere Knurr-Freundin aus der Hundegruppe und macht ein bedenkliches Gesicht.    „Hat er wieder Erfolg gehabt?“, fragt mitleidig meine frühere Betreuerin aus dem Tierheim, die wir in der Hundegruppe ebenfalls regelmäßig treffen. „Wie, da hatte er schon wieder Erfolg?“, fragt rhetorisch Frauchen, die es sich erlauben kann, in ihrer Kritik an meinen Erfolgen deutlicher zu werden als alle anderen. Freilich geht Frauchens Kritik an meinen Erfolgen nie gegen mich, sondern gegen Herrchen. Mit seinen knapp zwei Meter gibt er ja auch einen rechten Blitzableiter ab, obgleich er, wenn er so kritisiert wird, kleiner ist, weil er den Kopf hängen lässt. Manchmal denke ich bei mir: So sieht erfolgreiches Scheitern aus. Und dann tut er mir sogar ein bisschen leid. Überhaupt liegt da natürlich der Hase im Pfeffer, wenn der erst einmal erj...

Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Herrchen hat am Sonntag gehört, dass Gassigänge unterhaltend gestaltet werden sollten. Das will er nun gleich umsetzen. Er lässt mich seinen Handschuh suchen, den ich natürlich nicht zu finden beabsichtige, obwohl ich mit der Pfote draufstehe. Oder: Er rennt unvermittelt in eine andere Richtung, als gelte es das Leben, und holt sich Muskelkater. Ich verstehe natürlich nicht, weshalb er das tut, und bleibe erstmal abwartend und gähnend sitzen. Das soll unterhaltend sein? Da ist mir Dieter Nuhr lieber.   Dienstag Noch wegen gestern: Ich will beim Gassigehen meine Ruhe haben, und Herrchen im Grunde seines Herzens doch auch. Und siehe da, heute geht es wieder nach dem alten Muster. Herrchen grübelt vor sich hin, ich schnüffle am Wegesrand, manchmal auch umgekehrt. Wieder zu Hause, legen wir uns erstmal hin, Herrchen übrigens immer noch über Muskelkater klagend. Mittwoch Luna ist der beliebteste weibliche Vorname für Hunde. Wir haben in der Hundegruppe neuerdings auch ein...

Betreff: Krise als Chance

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Neulich klagte Herrchen unserer Knurr-Freundin, ich könne auch nach jahrelangem Training Krisensituationen nicht wirklich meistern. In Krisen klappe es nicht mit dem Rückruf. Bei Begegnungen mit mir fremden Hunden fühle es sich oft an wie Mafia-Bandenkrieg auf offener Straße. Wenn ich einen mehr oder weniger ansprechenden Happen am Wegesrand finde, knurre ich selbst ihn, Herrchen, an, wenn er sich zwischen mich und den Happen stellen will.   Was soll unsere Knurr-Freundin auf Herrchens Anschuldigungen sagen? Das eigentliche Problem liegt doch darin, dass Herrchen das Wesen von Krisen nicht begriffen hat. Ich dafür umso mehr. Um die Komplexität des hier angeschnittenen Themas richtig zu verstehen, muss ich auf den soziophobischen Zug bei Herrchen verweisen. Feste und Partys, selbst gemütliches Beisammensein oder Essen mit Freunden – er würde natürlich „Essen mit Freunden“ ironisch in Gänsefüßchen setzen – lösen bei ihm nicht Freude und Zufriedenheit aus, sondern bedeuten für ihn K...

Betreff: Mensch

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Wenn in unserem Rudel über mich mal geflucht wird, dann höre ich oft: „Mensch, Elvis, pass doch auf“ oder „Lass das, Menschenskind“ oder „Mensch, kannst du nicht hören“ oder auch nur  „Mensch“ . Komisch, oder? Übertragen da Herrchen und Frauchen kurzerhand ihr Gefluche über Mitmenschen auf mich, ihren Hund? Um nicht banal sagen zu müssen: Hund, pass doch auf? Denn das klänge doof, wer Hund ist, muss nicht aufpassen. Dafür gibt es ja den Menschen in seiner Eigenschaft als Hundehalter.    Aber nein, sie sagen, denke ich, unachtsam Mensch. So wie sie oft genug unachtsam Gott sagen: Gott sei Dank, da sei Gott vor, um Gottes Willen. Aber so oberflächlich ist es letztlich dann auch wieder nicht, also nicht nur reines Dahingequatsche. Der Mensch ist schon sehr wichtig beim Hund, da steht dann der Mensch für den Hund und umgekehrt. Das machte uns neulich der Förster deutlich, als er uns im Wald begegnete und gleich in meine Richtung sagte: „Na, der sieht ja ganz freundlich und ...

Betreff: Körpersprache

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In der Beziehung zwischen Herr und Hund muss es gewisse Normen geben, sonst wäre alles nur Chaos. Voraussetzung dafür ist ein wünschenswertes Verhalten in den verschiedenen Situationen des Alltags, das nicht einfach von selbst da ist, sondern mühselig „aufgebaut“ werden muss.    Diese Aufbauarbeit dauert, sie geschieht in kleinen Schritten, und jeder Schritt sollte mit Belohnung verbunden sein. Jeder, der mit Hunden lebt, weiß das oder sollte es wissen. Zentrale Bedeutung dabei kommt der Körpersprache zu. Eindeutig soll sie sein und Energie zeigen. Zwei anderer Begriffe, die in diesem Zusammenhang als wichtig gelten und im Grunde dasselbe meinen, lauten Ansprechbarkeit und Abrufbarkeit. Ich beherrsche das alles und könnte hier viele Beispiele geben, wo es mir gelungen ist, ein von mir gewünschtes Verhalten bei Herrchen aufzubauen. Nehmen wir nur einmal das Leckerli nach dem Mittagsgassigang. Schon lange war mir klar, dass unsere anspruchsvollen Mittagstouren über viele Kilom...

Betreff: Zeitung lesen

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Neulich trafen wir zwei Wanderer im Wald, die gerade wieder ins Auto steigen wollten und einen Hund dabei hatten. Herrchen, etwas voraus, blieb mit seinem Fahrrad bei den Wanderern stehen, um sicherzustellen, dass ich, wenn ich heran bin, weder mit dem Hund etwas anfange noch die Habseligkeiten der Leute auf Drogen durchsuche. Ich aber ließ mir, ein paar Meter entfernt, Zeit, schnüffelte hier, pieselte da. Herrchen wurde unruhig, aber der eine Wanderer sagte voller Güte in meine Richtung: „Der muss erst noch die Zeitung lesen.“   Hört man ja häufig über einen schnüffelnden Hund: Er liest die Zeitung. Eine hübsche Formulierung, finde ich. Sie erscheint nur oberflächlich seltsam. Die tiefere Gemeinsamkeit besteht doch darin, dass beim Schnüffeln wie beim Zeitunglesen Informationen gegeben, zur Kenntnis genommen werden und gegebenenfalls darauf reagiert wird (hier als Markieren, dort als Leserbrief ). Was nun Herrchen und mich anbelangt, so hat das Zeitunglesen für uns noch eine bes...

Betreff: Pupsen

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Neulich bekam Herrchen ein Buch geschenkt über den Drachen Furzipups. Furzipups schafft es nicht, wie jeder normale Drache Feuer zu speien. Er entdeckt aber, dass seine Waffe nicht oral angesiedelt ist, sondern rektal: Er kann enorm pupsen. Und damit es nicht zu Missverständnissen kommt, was das heißt, gehört zum Buch ein „Pups-Button“, mit dem der Leser (kann man hier überhaupt von einem Leser sprechen?) Furzgeräusche abrufen kann. Herrchen lachte Tränen.   Das Buch stammt übrigens aus derselben Quelle wie der Adventskalender „Kackende Tiere“, den er vor einigen Jahren erhielt und der seitdem zu jeder Adventszeit hervorgeholt wird, zu Frauchens und meinem Verdruss, zu Herrchens Erheiterung. Ich würde solche Geschmacklosigkeiten nicht erwähnen, wenn ich nicht vor einigen Tagen morgens durch eine erhebliche Darmtätigkeit in mir aus dem Schlummer geweckt worden wäre. In meinem Bauch klang es, als hätte ich an unserem rege besuchten Vogelhäuschen mir einen Fink geschnappt und lebend...