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Betreff: Großes Kino

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Hätte Herrchen sich nicht umgewandt, ich hätte nicht diesen furchtbaren Muskelkater. Meine Hausärztin meint, Herrchen solle mal eine angewärmte Decke auf mich legen, um die Muskeln zu entspannen. Macht er natürlich nicht. Gut, ich kann mich ja auch vor den Kamin hauen, wärmt auch angenehm durch, und überhaupt geht es mir schon wieder besser.   Warum um alles in der Welt musste er sich auch umdrehen. Saß auf seinem Fahrrad, drehte sich um und erzählte mir fröhlich davon, was für ein schöner Frühlingsausflug das mit mir sei, lang die Strecke, hoch die Sonne, mild die Temperatur, vogelbesungen die Wiese. Dabei sagt ein altes Sprichwort – ich zitiere frei –, man solle den Gassigang nicht vor der Heimkehr loben. Weil Herrchen sich zu mir gedreht hatte, konnte er die beiden Kaninchen nicht sehen. Im Gegensatz zu mir. Sie hoppelten genau auf unserem Weg dahin, vermutlich verliebt oder in einem sportlichen Wettlauf. Jedenfalls liefen sie fast in uns hinein. In solchen Fällen schreibt s...

Betreff: Fahrt nach Schwerin

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Neulich waren wir in Schwerin. Herrchen hatte dort eine Lesung. Volkshochschule, Seniorengruppe, Raum 12, nicht Raum 10, wie ihm gesagt worden war.   Zuerst aber ging es auf die Marstallwiese. Wir hatten sie ganz für uns und sind dort umhergetollt. Ich wurde bei all dem Gespringe schön locker und konnte die Sache mit einem großen Haufen abschließen. Danach durfte ich mich, von allen geliebt, inmitten des berühmten „Freischütz“ fläzen, während Frauchen und Herrchen zu Mittag aßen. Ich ging dann mit Frauchen in ihre kleine Wohnung, Herrchen zu seiner Lesung. Dort wurde er zunächst mit Honorarfragen begrüßt. Das Honorar betrug 12,50 Euro. Für Honorare gibt es einen Vordruck der Volkshochschule, den die Leiterin der Gruppe aber nicht dabei hatte. Also wurde alles handschriftlich abgefasst, Herrchen glaubt nicht daran, sein Honorar je zu bekommen. Eigentlich hatte die Leiterin angekündigt, zwei Gruppen zusammenzufassen, damit auch das Honorar doppelt werde, „aber im laufenden Jahr läs...

Betreff: Nie

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Emma gehört zu meiner weitläufigeren Bekanntschaft, sie wohnt in meiner Straße. Neulich sprang sie über den Zaun, als Herrchen und ich eben vorübergingen. Sie gleich auf mich los, keine Ahnung weshalb. Ein paar Haare meines schönen Fells habe ich dabei verloren, aber sonst ging es glimpflich ab, obwohl es anders aussah. Emmas Frauchen sagte: „Das hat sie noch nie gemacht.“   Das hat er/sie noch nie gemacht. Dieser Satz dürfte der am meisten gebrauchte in der Beziehung zwischen Frauchen, Herrchen, Hund und dem Rest der Welt sein. Dabei ist er ein Widerspruch in sich. Er wird ja verwendet, wenn jemand gerade etwas gemacht hat, also von wegen nie. Außerdem wird er auch gar nicht als Aussagesatz verwendet, er hat vielmehr etwas Emotionales, drückt halb Überraschung oder gar Entsetzen aus, halb will er um Entschuldigung bitten für das, was da gerade passiert ist, was auch immer. Auf mich findet dieser Satz trotz seiner Popularität kein Anwendung. Denn was sollte ich noch nie gemacht h...

Betreff: Erfolg haben

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Das ist wieder so typisch deutsch. Kaum hat man mal Erfolg, gibt es gleich wieder Ärger. „Wenn Elvis erst einmal Erfolg hatte, wird es schwierig“, murmelt unsere Knurr-Freundin aus der Hundegruppe und macht ein bedenkliches Gesicht.    „Hat er wieder Erfolg gehabt?“, fragt mitleidig meine frühere Betreuerin aus dem Tierheim, die wir in der Hundegruppe ebenfalls regelmäßig treffen. „Wie, da hatte er schon wieder Erfolg?“, fragt rhetorisch Frauchen, die es sich erlauben kann, in ihrer Kritik an meinen Erfolgen deutlicher zu werden als alle anderen. Freilich geht Frauchens Kritik an meinen Erfolgen nie gegen mich, sondern gegen Herrchen. Mit seinen knapp zwei Meter gibt er ja auch einen rechten Blitzableiter ab, obgleich er, wenn er so kritisiert wird, kleiner ist, weil er den Kopf hängen lässt. Manchmal denke ich bei mir: So sieht erfolgreiches Scheitern aus. Und dann tut er mir sogar ein bisschen leid. Überhaupt liegt da natürlich der Hase im Pfeffer, wenn der erst einmal erj...

Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Herrchen hat am Sonntag gehört, dass Gassigänge unterhaltend gestaltet werden sollten. Das will er nun gleich umsetzen. Er lässt mich seinen Handschuh suchen, den ich natürlich nicht zu finden beabsichtige, obwohl ich mit der Pfote draufstehe. Oder: Er rennt unvermittelt in eine andere Richtung, als gelte es das Leben, und holt sich Muskelkater. Ich verstehe natürlich nicht, weshalb er das tut, und bleibe erstmal abwartend und gähnend sitzen. Das soll unterhaltend sein? Da ist mir Dieter Nuhr lieber.   Dienstag Noch wegen gestern: Ich will beim Gassigehen meine Ruhe haben, und Herrchen im Grunde seines Herzens doch auch. Und siehe da, heute geht es wieder nach dem alten Muster. Herrchen grübelt vor sich hin, ich schnüffle am Wegesrand, manchmal auch umgekehrt. Wieder zu Hause, legen wir uns erstmal hin, Herrchen übrigens immer noch über Muskelkater klagend. Mittwoch Luna ist der beliebteste weibliche Vorname für Hunde. Wir haben in der Hundegruppe neuerdings auch ein...

Betreff: Krise als Chance

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Neulich klagte Herrchen unserer Knurr-Freundin, ich könne auch nach jahrelangem Training Krisensituationen nicht wirklich meistern. In Krisen klappe es nicht mit dem Rückruf. Bei Begegnungen mit mir fremden Hunden fühle es sich oft an wie Mafia-Bandenkrieg auf offener Straße. Wenn ich einen mehr oder weniger ansprechenden Happen am Wegesrand finde, knurre ich selbst ihn, Herrchen, an, wenn er sich zwischen mich und den Happen stellen will.   Was soll unsere Knurr-Freundin auf Herrchens Anschuldigungen sagen? Das eigentliche Problem liegt doch darin, dass Herrchen das Wesen von Krisen nicht begriffen hat. Ich dafür umso mehr. Um die Komplexität des hier angeschnittenen Themas richtig zu verstehen, muss ich auf den soziophobischen Zug bei Herrchen verweisen. Feste und Partys, selbst gemütliches Beisammensein oder Essen mit Freunden – er würde natürlich „Essen mit Freunden“ ironisch in Gänsefüßchen setzen – lösen bei ihm nicht Freude und Zufriedenheit aus, sondern bedeuten für ihn K...

Betreff: Mensch

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Wenn in unserem Rudel über mich mal geflucht wird, dann höre ich oft: „Mensch, Elvis, pass doch auf“ oder „Lass das, Menschenskind“ oder „Mensch, kannst du nicht hören“ oder auch nur  „Mensch“ . Komisch, oder? Übertragen da Herrchen und Frauchen kurzerhand ihr Gefluche über Mitmenschen auf mich, ihren Hund? Um nicht banal sagen zu müssen: Hund, pass doch auf? Denn das klänge doof, wer Hund ist, muss nicht aufpassen. Dafür gibt es ja den Menschen in seiner Eigenschaft als Hundehalter.    Aber nein, sie sagen, denke ich, unachtsam Mensch. So wie sie oft genug unachtsam Gott sagen: Gott sei Dank, da sei Gott vor, um Gottes Willen. Aber so oberflächlich ist es letztlich dann auch wieder nicht, also nicht nur reines Dahingequatsche. Der Mensch ist schon sehr wichtig beim Hund, da steht dann der Mensch für den Hund und umgekehrt. Das machte uns neulich der Förster deutlich, als er uns im Wald begegnete und gleich in meine Richtung sagte: „Na, der sieht ja ganz freundlich und ...