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Betreff: Elvis

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Neulich waren wir auf Usedom, genauer in Bansin. Auf der Promenade gingen mir all die vielen Herrchen und Frauchen und die vielen Hunde auf die Nerven. Hin und wieder machte ich deswegen meinem Unmut Luft, und ich überhörte auch Herrchens dauerndes „bei Fuß“, was kurzzeitig zu einer Belastung unseres Verhältnisses führte.   Am Strand wurde es noch blöder. Da traf ich auf ein Stück vom Wal, der vor einiger Zeit in der Ostsee verendet war. Ich gleich in Kampfstellung mit Ansage. Wann hat man schon Gelegenheit, sich mit dem Teil eines Wals zu messen. Erwies sich dann aber als ein stark bemooster Stein im Wasser. Seine Lebendigkeit kam nur daher, dass die Moosfäden im Wasser hin und her schwammen. Weshalb wir überhaupt in Bansin waren? Weil sich Herrchen mit Elke Pupke traf. Elke Pupke lebt dort, schreibt Usedomer Kriminalromane für den Hinstorff-Verlag, jenen Verlag, der ab und an auch Bücher von Herrchen veröffentlicht. Frau Pupke ist die Auflagenkönigin des Verlages. Jedes Jahr z...

Betreff: Triggerwarnung

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Ich kann die Wähler der AfD verstehen. Auch mich machen die Verhältnisse, in denen ich leben muss, missmutig. Auch ich habe es mit einer Flachzange zu tun, meinem Herrchen. Und das sage ich nicht nur, weil Herrchen Alice Weidel schon journalistisch begleitete, als die noch weit entfernt vom AfD-Parteivorsitz war.   Führung? Bei Herrchen das Undemokratischste, was es gibt. Seine Gassivorschläge – man kann nur den Kopf schütteln. Seine Spiele – albernes Zeug. Seine Futtergaben – ein praktisch leerer Napf. Training in der Gruppe – ja, gern, aber doch nicht so demütigend wie gegenwärtig. Oder nehmen wir nur die unhaltbaren Zustände beim Einkaufen. Ich muss mit, darf aber nicht in den Supermarkt hinein. Früher gab es als Kompensation für meinen Autoverbleib wenigstens ein Würstchen frisch von der Fleischtheke. War nicht so doll, aber besser als gar nichts. Heutzutage gibt es überhaupt nichts mehr. Oder Lachsöl. Wann habe ich zuletzt Lachsöl bekommen? Hanföl, ja, damit stellen sie ...

Betreff: Lübeck

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Neulich waren wir rudelmäßig in Lübeck. Herrchen bog allerdings gleich am Museum St. Annen ab, um sich dort in mittelalterliche Altäre zu vertiefen, wobei er, wenn ich es richtig verstanden habe, einen speziellen im Auge hatte. Frauchen und ich mussten derweil durch die Stadt schlendern.    Was ist Lübeck heruntergekommen! Bestenfalls geruchsmäßig hat die Stadt noch was zu bieten. Ich fragte mich, wieso Herrchen damals nach der Grenzöffnung unbedingt nach Lübeck musste und am liebsten vor Freude geheult hätte, als er endlich am Holstentor stand. Nun, das liegt Jahrzehnte zurück und kann heute bestenfalls als Sentimentalität durchgehen. Beim Stadtrundgang fragte ich mich, weshalb Urlaub und Reisen derart oft als Synonyme verwendet werden. Was hatte ich denn von unserer Urlaubsreise? Mir waren die Gewohnheiten abhandengekommen. Ich schlief schlecht. Das Essen entsprach nicht dem häuslichen Standard. An Spiele war gar nicht zu denken. Leinenzwang überall. Dauernd ging es an den...

Betreff: Maisfeld

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Sind meine kleinen Gedichte beliebt? Bei den folgenden Versen finde ich den Hoppler in der letzten Zeile recht artig. Manchmal springe ich ja auch so umher.   AM MORGEN   Heute Jagd durchs Maisfeld Herrchen bleibt am Rand Herrlich klingt das Rascheln So außer Rand und Band   Herrchen starrt auf’s Handy Wo ich gerade sei Höre ihn auch rufen Sieht blöde aus dabei   Doch dann kommt der Hunger Wie finde ich zurück Wie komme ich zu Herrchen Zu meinem Früh-, Frühstück?   Mehr zu Herrchen auf www.frankpergande.de. Bin auch auf Instagram: elvis.blog 

Betreff: Schnüffeln

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Neulich kam mir kurz vor unserer Wiese ein Eichhörnchen in die Quere. Ich hinterher, die Bäume anspringend, wo es saß, so dass das Holz splitterte, meinen Jagdruf weithin erschallen lassend, der Zapfen nicht achtend, die es nach mir warf.    Schließlich machte ich mich daran, weiträumig die Umgebung abzuschnüffeln, ob ich nicht den Wege des Eichhörnchens wenigstens am Boden erkunden könnte, um es dort zu überraschen. Nun, ich hatte zwar keinen Erfolg. Aber seitdem muss ich immer wieder zu dieser Stelle hin, getrieben von der Erinnerung, hier herumgesprungen zu sein, und in der Hoffnung, vielleicht wieder einmal derart herumspringen zu können. Erst im Nachhinein fiel mir auf, mit welcher Gelassenheit Herrchen mein Gebaren hinnahm und hinnimmt. Er sieht sich kurz die Szene an, schreitet dann weiter und setzt mich dadurch letztlich unter Druck, ihm nach einer gewissen Anstandsfrist zu folgen. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Herrchen solche Erlebnisse zu toler...

Betreff: Aus dem Tagebuch

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Montag Was ist schon an so einer Woche? Montag – Mülltonne rausstellen, Dienstag – Mülltonne reinholen, Mittwoch – Hundegruppe, Donnerstag – leere Eierpackung rausstellen, volle empfangen, Freitag – mein Blog, Samstag – Einkauf, Sonntag – Hundegruppe. Ich habe da wenig Spielraum für Kreativität.   Dienstag Wir haben Besuch. Besuch aus dem Westen, wie Herrchen, der alte Ossi, nicht zu sagen vergisst. Ich verstehe mich mit dem Besuch dennoch super. Sogar der uralte, schon völlig zerfaserte Zerrknoten wird mal wieder hervorgeholt. Herrchen kriegt ja immer gleich Atemnot, wenn er zerren soll. Der Wessi ist da fitter. Mittwoch Es liegt mir fern, Klatsch und Tratsch zu befeuern, aber die neue Freundin von einem unserer Nachbarn hat einen Hund mitgebracht, einen Spaniel – und der hat gleich meine Zuneigung gefunden. Wir pieseln und schnuppern immer eine Weile, leider den Zaun zwischen uns. Herrchen ist schon an der Biogasanlage, bevor ich mich in meiner emotionalen Abgelenktheit b...

Betreff: Sackgasse

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Was sind Sackgassen doch übel beleumdet. Sie stehen für Irrtümer, Scheitern, Ausweglosigkeit. Ich ahnte gar nicht, dass es bei einem derartig schlechten Ruf Sackgassen tatsächlich gibt. Und nun wohne ich auch noch in einer solchen. Denn ich lernte Sackgassen erst kennen, als ich bei Herrchen in seine Sackgasse einzog.   Zuerst bemerkte ich das gar nicht. Gassi-Gänge immer nur in eine Richtung und Rückkehr aus dieser Richtung, ich nahm es hin. Hinzu kam von Anfang an, dass unsere Sackgasse für mich keineswegs Ausweglosigkeit darstellt. Ich begriff sogleich, wie die Gartenpforte hinten zu öffnen ist oder die Pforte zum Garten der Nachbarin. Außerdem kenne ich Stellen, wo ich jederzeit unser umzäuntes Grundstück ohne Herrchens Wissen und Erlaubnis verlassen kann. Ich möchte das hier nicht näher ausführen, um Herrchen nicht auf den Gedanken zu bringen, diese Schlupflöcher zu schließen. Hinter unserem Haus ist jedenfalls keine Sackgasse, natürlich nicht, da erstreckt sich eine große W...

Betreff: Musenkuss

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Herr Müller und Dotti sind zwei Plüschhunde, die meinem Bett gegenüber auf der Sofakante hocken. Dotti wurde aus dem Sperrmüll geholt, so wie ich einst aus dem Tierheim. Herr Müller ist eine langweilige bürgerliche Existenz. Hin und wieder höre ich ihren Gesprächen zu.   Dotti: Elvis scheint mir ziemlich gestresst. Herr Müller: Gestresst? Wieso? Dotti: Er hat ja auch viel zu tun mit Herrchen und Frauchen, beide anstrengend. Und dann der Rest des Rudels. Da kann einem schon mal die Luft ausgehen. Herr Müller: Wieso? Dotti: Na, neulich in seinem Blog hatte er nur noch ein Gedicht als Eintrag. Herr Müller: Wieso nur? Dotti:  Na, bloß ein paar Zeilen, weiter nichts. Mehr war ihm offenbar nicht mehr eingefallen. Herr Müller: Aber, Dotti, ein Gedicht bedeutet Arbeit. Dotti: Meinst du? Wegen des Reims? Herr Müller: Wieso Reim? Ein Reim macht noch lange kein Gedicht. Es geht um poetische Wahrhaftigkeit, ein Gedicht muss poetisch wahrhaftig sein, das bedeutet...

Betreff: Lotte

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Neulich war Herrchen wieder einmal beim Frisör. Mich macht das eifersüchtig, denn in dem Salon ist Lotte. Lotte ist ein Pudel, etwa so groß wie ich. Er gehört der Inhaberin, trägt ein hübsches Zöpfchen steil über dem Kopf (vulgo Fick-Palme) und arbeitet als Salonhund.   Die Belastung dabei dürfte nicht allzu groß sein, es gibt viele Streicheleien von den Kunden, allerdings auch den langen Arbeitstag. Lotte sieht den Salon als ihren eigenen an, sie nimmt zum Beispiel alle Sitzgelegenheiten im Wartebereich für sich in Anspruch. Wenn Herrchen frisiert zurückkommt, riecht er eben nicht nur nach Haarspray, sondern auch unverzeihlich nach Lotte. Und war es sogar die Begegnung mit Salon-Lotte, dass er sich zu Hause Thomas Manns „Lotte in Weimar“ wieder vornahm? Den Roman, sagte er mir, habe er bestimmt so oft gelesen, wie er mit mir bei meiner Hausärztin gewesen sei. Seltsamer Vergleich, weder heißt meine Hausärztin Lotte noch ist sie eine ältere Dame mit heißer Vergangenheit. Denn da...

Betreff: Vollpfosten

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Alles fing damit an, dass Herrchen eine Fahrt ins Blaue unternahm. Ohne mich. Natürlich fuhr er nicht wirklich ins Blaue, würde er nie tun. Er wusste genau, was er bei wem wollte und wozu. Aber er war in Sachsen-Anhalt unterwegs, und da ist doch die AfD so stark, stärker als bei uns in Mecklenburg. Seit der AfD hat die „Fahrt ins Blaue“ wegen der Parteifarbe etwas Doppeldeutiges bekommen.   Als Herrchen losfuhr, war ich schon mal verärgert. Kurz darauf habe ich es dann in meinem Ärger im Fischergang so richtig krachen lassen, als Frauchen und ich auf einen mir unbekannten Hund trafen. Ich zog böse an der Leine, die Leine zog böse an Frauchens Finger, und zwar so lange, bis ein Stück Haut böse weg war. Hat geblutet wie Sau. Frauchen sogleich zum Arzt, wo ihr ein turbanartiger Verband um ihren Finger zuteil wurde, recht hübsch. Da ich zu ihrer Ärztin nicht mitdurfte, hatte sie mich derweil bei meiner Garten-Tante in der Nachbarschaft untergebracht. Ich war inzwischen derart auf Adr...

Betreff: Gelbspötter

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Seit einiger Zeit hat Herrchen eine App auf seinem Smartphone, die Vogelstimmen erkennt. So erfuhren wir, dass uns neulich ein Gelbspötter begegnet ist. Zumindest hörten wir ihn. Gelbspötter – ein hübscher sprechender Name, denn der Vogel ist gelb, und sein Ruf klingt tatsächlich spöttisch.   Bei Namen in der Vogelwelt hat man das Sprechende ja häufig. Zum Beispiel beim Gartenrotschwanz. Er hat einen roten Schwanz und lebt in unserem Garten, wo er mit seinem eintönigen Ruf mich enerviert. Dieses langweilige Ton-Geben kommt im Namen natürlich nicht vor. Der Kuckuck ruft „kuckuck“, der Uhu ruft „uhu“. Einen Sumpfrohrsänger haben wir auch schon gehört. Der lebt in sumpfiger Umgebung, sitzt gern am Rohr und singt ganz schön. Den am meisten sprechenden Namen für Hunde kennt wohl jeder: Fellnasen. Aber Fellnasen ist total abgegriffen und dann auch noch falsch, denn an meiner eigentlichen Nase, meinem hübschen Stubser ganz vorn, findet sich kein Fell. Als ich so weit in meinen vom Gelbs...

Betreff: Gedanken jagen

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Neulich hatten wir ein paar Hitztetage, da lag ich praktisch die ganze Zeit über herum und musste mich irgendwie geistig beschäftigen. Aus dieser Not heraus entstanden die folgenden Verse.   ABENDLIED   Am Tage Hasen jagen Am Abend die Gedanken Auf meinem Sofa liegend So in Gedankenranken   Gleich hab ich dich, Kaprize Gleich fass ich dich, Idee Es zittern meine Glieder Als liefe nah ein Reh   Schon fletsche ich die Zähne Schon greif ich kläffend zu Da schließen sich die Lider Ich will nur meine Ruh   Denn müde macht das Denken Was liege ich bequem Für heute lassen wir das Jagen Da flieht ihr hin, Ideen    Auch auf Instagram: elvis.blog  

Betreff: Thesen zur Hitze

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Die Hitze erbringt den Nachweis, dass das Herumliegen praktisch den ganzen Tag, allenfalls mit Wechsel zwischen Sonnenplatz und Schattenplatz, Inhalt des Lebens sein kann, darf, ja muss.   Die Hitze macht die Gießkannen-Bar auf der Terrasse zu einem Lebensmittelpunkt. Herrchen kümmert sich rührend um frisches Brunnenquell. Und rührend finde ich auch, dass er über die Gießkannen-Bar auch die Vogeltränke versorgt. Eigentlich ist die Vogeltränke eher eine Insekten-Tränke. Wenn mal ein Vogel kommt, trinkt er zwar auch, vor allem aber badet er mit lustigem Gespritze. Die Vogeltränke ist ein Geschenk von Frauchen für Herrchen, nachdem Herrchen ihr ein neues Bad geschenkt hatte. Die Hitze hat zu Umgestaltungen im Garten geführt. Ich habe mir – von Frauchen unbemerkt, von Herrchen toleriert – hinter der Blumenwiese ein schattiges Kühl-Loch gegraben (Foto). Es taugt auch sonst als Versteck, wenn ich mal Ruhe haben will. Die Hitze führt bei Herrchen zu der absurden Logik, dass wer sich w...

Betreff: Wattebausch

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Zweimal im Jahr beim Fellwechsel bilden sich auf meinem Hinterteil und am Ansatz der Rute kleine weiße Fellflöckchen, kleine Wattebausche, sehr apart, die Herrchen dann abnimmt und dem Wind überlässt. Vermutlich lässt er sie auf diese Weise verschwinden, weil die hübschen Wölkchen nicht nur apart aussehen, sondern auch einen Mangel an coiffeurier Betreuung bezeugen würden.   Dabei sind Wattebausche etwas Nützliches. Mit ätherischen Ölen getränkt sollen sie die Mücken abhalten. Das sollte meine Tante mit dem Seegrundstück wissen, wo ich neulich derart von Mücken bedrängt worden bin, dass anderntags mein Schnäuzchen aussah wie ein Streuselkuchen und juckte wie Läusebefall. Ansonsten gelten Wattebausche im übertragenen Sinn ja als Weicheier. Wobei ich gerade bei Herrchen gelernt habe, dass auch solcher Wattebausch sehr wohl gleichsam mit ätherischen Ölen getränkt sein kann. Oder anders gesagt: Wer so tut, als sei er Wattebausch, verfolgt oft genug seine machtpolitischen Interessen a...

Betreff: Struppi

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Neulich sagte Herrchen zu mir: „Na, Struppi, du siehst ja aus!“ Das war nach einem Jagderlebnis durch hohes und nasses Gras auf einer weitläufigen Wiese, die auch noch von plötzlich auftauchenden Wassergräben durchsetzt war. Ich kam da pitschnass raus.   Herrchen meinte „Struppi“ wohl lautmalerisch, weil nasses Fell nun einmal struppig aussieht, so schön es im trockenen Zustand auch glänzen mag. Zu Hause habe ich mich dann auch erst einmal von der Sonne trocknen lassen und dabei darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, wenn ich wirklich Struppi genannt werden würde. Solche Verniedlichungen stehen mir nicht, finde ich. Elvis halte ich schon für grenzwertig. Herrchens ursprüngliche Idee, mich Wallenstein zu nennen, erfasst meine Persönlichkeit besser, da liegt er gar nicht so falsch. Verblüffend, dass ausgerechnet der lächerliche Name Struppi in der Populärkultur derart Karriere gemacht hat, sogar garniert mit einem hübschen Ost-West-Missverständnis. Ost-Struppi ist eine der Figure...

Betreff: Einhorn

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Neulich sagte die junge Mutter in unserem Rudel, sie habe einen Einhorn-Moment erlebt. Sie meinte damit den Umstand, dass ihr Jüngstes unter einem lustigen Spielebogen schlief und der etwas Ältere daneben selbstvergessen vor sich hin baute mit seinen – wie man früher gesagt hätte – Bauklötzchen, heute Duplos. Die Mutter konnte sich einfach zurücklehnen und das Muttersein genießen.    Herrchen hatte an diesem Einhorn-Moment einen gewissen Anteil, hatte er doch die Kleine zuvor unter den Spielebogen gelegt und mit allerhand Geraschel, Geklingel und Geträtsche zum Einschlummern gebracht. Da bewährt sich der Langweiler, wenn er andere zum Gähnen und Schlafen bringt. Das soll übrigens auch für seine Romane gelten, man sollte sie in Apotheken verbreiten. Hätte auch einen Vorteil für ihn: Apotheken gibt es mehr als Bücherläden. Aber ich will nicht abschweifen. Ich will nur darauf aufmerksam machen: Was sind fünf Minuten vergebliche Jagd auf ein Reh gegen lebenslange Jagd auf Einhör...

Betreff: Schnapsidee

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Neulich musste ich doch tatsächlich sonntags zum Notarzt. Dünnpfiff, sehr übel. Der Warteraum überfüllt. Beim Warten fiel mir der alte FDP-Kalauer ein: Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt. Bei uns hieß das umgewandelt: Wenn jeder für sich leidet, fällt das kollektive Leiden aus.    Also kein Bellen, Beißen, Rumknurren, Belästigen und so weiter. Es war angenehm still beim Warten zwischen all den Herrchen, Frauchen, Hunden und Katzen, und es hatte auch niemand etwas dagegen, als ich mich mitten im Weg erschöpft ablegte. Ich will nun nicht behaupten, dass Herrchen ohne Empathie, wie man heute so sagt, dasaß, er blickte durchaus besorgt. Vor allem wohl aus Angst, ich könnte mich auch noch in der Praxis hinten entleeren. Aber es gab nichts mehr zu entleeren. So interessierte sich Herrchen für das Gebäude, das ursprünglich zu einem Gefängnis gehörte. Die Gefängnis-Hausordnung war noch ausgehängt – als Deko. Herrchen erzählte mir, in diesem Gefängnis habe einst kurzze...